Der Stabsarzt arbeitet hastig. Die obere Gesichtshälfte des Narkotisierten gewährt den Anblick eines friedlich Schlafenden; der ganz schmal geöffnete, starre Mund lächelt ein spitziges, bewußt boshaftes Lächeln. ‚Ich sterbe doch.‘
‚Ich muß das Bein retten . . . Gerade dein Lächeln veranlaßt mich, das Bein zu retten‘, denkt der Stabsarzt, während er mit der Sonde arbeitet, mit der Pinzette die Arterien zurechtlegt in ihre anatomische Ordnung, die Arterien und die Hauptadern abklemmt, die durchschnittene, zurückgeschnellte Sehne hervorzerrt. Schnell, exakt, fast schon automatisch. ‚Wärst du unheilbar irr, dann würdest du mir nicht dieses schadenfrohe Lächeln zeigen können, das deiner Tat so genau entspricht. Bist heilbar. Und kannst deine Beine brauchen!‘
Dabei sieht er, so oft er den Kopf hebt, über die Bauernkinder, die auf den Zehenspitzen stehen und doch nur die blutigen Arzthände sehen können, schnell hinweg und zur Güterhalle, wo eine Menschenansammlung ist, die sich beständig vergrößert: Weiber, Bauern, einige Soldaten, die auf Urlaub sind. Die rote Mütze des Stationsvorstehers. Auf einer Kiste steht ein Mensch und spricht.
Satzfetzen dringen bis zum Stabsarzt herüber.
Ein kleiner Bauernjunge neigt sich zu einem andern, flüstert, deutet mit dem Zeigefinger. Er hat ein Instrument aufblitzen sehen. Sein Mund bleibt offen.
„. . . und wenn im Kriege fremdes Land erobert wird, dann ist das gar keine Ehre, sondern Raub“,
hört der Stabsarzt, wundert sich, daß jetzt das boshafte Lächeln verschwunden ist.
„Wenn ein Bauer glaubt, er könne, nur weil er kräftiger ist, einem schwächeren Bauern Land wegnehmen, dann ist er kein Ehrenmann, sondern einfach ein Räuber.“
Der Stabsarzt vernimmt zustimmende Antworten. Und einen lauten Zuruf. Sein Staunen wird zu Befriedigung. Seine Absicht steht groß und ausführbar vor ihm.
„. . . natürlich, da haben Sie ganz recht, natürlich ist der Bauer außerdem noch dumm. Denn er wird gestraft. Muß gestraft werden.“