Während Winnetou den durch die lebenslange Lieblosigkeit seiner Mutter verursachten Druck aus sich herausweinte, fühlte er, wie die Sterbende ihm half, durch ununterbrochenes sanftes Streicheln, das allmählich schwächer wurde, bis die Hand kraftlos aufs Bett fiel. Der Bauch der Sterbenden bäumte sich hoch auf und schleuderte Winnetou ans Fußende des Bettes.
Tränenüberströmt blickte Winnetou auf die Mutter, ging hinaus und meldete der Köchin unter schluckendem Lachen und Weinen, daß die Mutter tot sei.
Entsetzt starrte die Köchin Winnetou an, weil er glücklich lächelte, und rannte ins Sterbezimmer.
Winnetou trat aus dem Hause und ging schnell und ohne Ziel stadtwärts.
Neben ihm humpelte mühsam eine kleine, dicke Alte mit Krückstöcken auf die Haltestelle der Trambahn zu, wandte sich um nach dem schnell sich nähernden Wagen, den Krückstock verzweifelt schüttelnd, und schrie immerzu:
„Ich komm nimmer hin! Heilige Maria! ich komm nimmer zurecht.“
Winnetou sah die Alte an — zur Elektrischen zurück, und stellte sich zwischen die Schienen.
Der Führer läutete.
Winnetou tat als hörte er nicht, und ging, um den Führer zum Langsamfahren zu zwingen, ganz gemächlich im Geleise, auf die Haltestelle zu. Die Alte humpelte, sich beeilend, weiter.
Der wütende Führer läutete ununterbrochen. Die entsetzten Fahrgäste stießen Warnrufe aus. In voller Fahrt kam der Wagen angerast. Winnetou wandte den Kopf, erbleichte und ging langsam im Geleise weiter. Im letzten Augenblicke zog der Führer die Bremsen, daß die Schienen rauchten, und Winnetou sprang seitwärts.