„Nein . . . Sie sind nicht schwach“, sagte der Fremde, mit einem unbegreiflichen Lächeln.
Wie lautlos vom Himmel gefallen, lag plötzlich die Sonne auf der Landstraße, die jetzt aus Mattgold war, und die Apfelbaumreihen legten ein bewegtes Schattenmuster darauf.
Zwei Hasen setzten vor den beiden über den tiefen Graben und flohen, die Ohren zurückgelegt, hintereinander her, gestreckt die schnurgerade, endlose Straße hinaus.
„Was arbeiten denn Sie jetzt?“ fragte Oldshatterhand ruhig und vertraut, denn er hatte die Empfindung, mit seinem älteren Ich zu reden.
„Ich . . . denke darüber nach, warum eine junge Blüte vom Baume fallen muß, bevor sie zur Frucht wird, während neben ihr eine andere ungehindert zur Frucht reifen darf . . . Darüber denke ich nach, unaufhörlich. Das ist meine Arbeit. — Jetzt muß ich wieder vorwärtsgehen — — —“
Mit einem kurzen Pfiff durchschnitt ein Vogel die Luft, auf die beiden zu, und stieg vor ihnen hinauf in den Himmel.
Da hatte der Fremde seine Arme um den Hals Oldshatterhands geschlagen und ihn geküßt.
Dann eilte er unhörbar quer über Feld, wurde immer kleiner und kleiner, und Oldshatterhand blickte ihm nach bis der Fremde unversehens verschwunden war, als wäre er zu Luft geworden.
Nach einer Weile sah Oldshatterhand seitwärts inmitten von Kornfeldern ein großes Gehöft liegen, und einen Herrn in Röhrenstiefeln auf sich zukommen. Der hatte eine goldene Brille mit funkelnden Gläsern auf der spitzen Nase und ein doppelläufiges Jagdgewehr am Riemen an der Schulter hängen.
„Hast du Zeit? Wohin willst du denn?“