Die Schwester hatte sich doch ein Wachsärmchen gekauft und es am Opferaltar aufgehängt. Vielleicht würde sich die Wunde an ihrem steifen Arm wenigstens schließen, meinte sie.
Die Wunde war wieder aufgebrochen vor einigen Jahren, als Herr Mager, der damals Lehrer der Mädchenklasse gewesen war, der Schwester mit dem Rohrstock sechs heftige Schläge auf die Hand gegeben hatte, obwohl er von dem kranken Arm unterrichtet gewesen war.
Man hatte ihm daraufhin die Mädchenklasse genommen und seinem nie ruhenden Rohrstock die Knabenklasse ausgeliefert. Aber die Wunde am Arm der Schwester war seither offen geblieben, obgleich die Frau Vierkant auf den Rat einer weisen Alten hin, ein Knochenstückchen, das bei der nötig gewordenen Operation aus dem Ellbogengelenk herausgeschnitten werden mußte, einem Straßenhund zu fressen gegeben hatte.
„Wird der Hund nur krank von dem Knochen, dann schließt sich wenigstens die Wunde“, hatte die weise Frau gesagt; „stirbt er aber an dem Knochen, dann wird der steife Arm wieder beweglich, wie jeder andere.“
Der Hund hatte das schlechte Knöchlein gefressen, war aber ganz gesund geblieben.
Versonnen schritt die Schwester weiter.
Neben Lenchen Leisegang, die sich an einem Stacheldrahtzaun ein Loch in ihr Sonntagskleid gerissen hatte und bekümmert dreinsah.
„Das können Sie wieder schön zustopfen“, tröstete Oldshatterhand. Und nach einer Weile: „Man muß eine Fußreise machen . . . um die ganze Welt, und alle Stacheldrahtzäune, die es überhaupt gibt, zerstören. Eine Zange mitnehmen, die Drähte durchzwicken und die Zäune auf die Seite schaffen . . ., daß sich kein Mensch mehr einen Triangel ins Kleid reißen kann. Stacheldrahtzäune sind doch hundsgemein und hinterlistig!“
Ein Bauer ging vorbei mit einem quiekenden Ferkel im Arm. Seine Bäuerin stolperte betend hinter ihm drein. Ein paar barfüßige Jungen, auf der Flucht vor dem Feldhüter, rannten die Bäuerin fast um. Ein ganz Kleiner warf die gestohlenen Äpfel weg, zog einen Dorn aus der Fußsohle und hinkte heulend weiter.
Auf der Berghöhe erschien der Feldhüter und sein kleiner, weißer Spitzhund. „Haben Sie gesehen, wo die verdammten Lausbuben naus sind?“