„Da hinaus!“ zeigte Oldshatterhand in die falsche Richtung.
Sie stiegen wieder stadtwärts, durch die Annaschlucht hinunter, einer noch vor wenigen Jahren verwildert gewesenen Felsenbergschlucht, durch die eine starke Quelle ins Tal hinabgestürzt war. Der Würzburger Verschönerungsverein hatte nach langem Ringen mit der störrischen Natur aus dem Ganzen ein Idyll geschaffen: kleine trübe Seechen mit zwei Dutzend Goldfischchen bevölkert; Brückchen aus krummen Birkenästen, noch mit der weißen Rinde, überspannten die gezähmte Quelle; Birkenholz-Aussichtshäuschen, Birkenholz-Aussichtsbänke, Wegweiser, Gedenk-, Erinnerungs- und viele Warnungstafeln aus Birkenholz verschönten die Landschaft.
Sie saßen auf einer Birkenholzbank, auf der zu lesen war: „Gestiftet von Herrn Kilian Nikodemus Anastasius Pimpf, Stadtpfarrer in Würzburg.“
„Ihr paßt gut zueinander“, sagte die Schwester zur Freundin, die verwirrt aufstand und vorausging.
„Es is halt e dummes Mädle. Sieht sie einer nur an auf der Straß, dann möcht sie glei durchs Pflaster in Erdbode neifahr . . . Und du . . . du bist auch ein dummer Kerl. Die ganze Zeit, solang du fort warst von Würzburg, ham wir jed’n Tag von dir gesprochen. Und noch ehe sie dich gesehen hat, war sie schon so verliebt in dich . . . Aber so verliebt! Wenn du jetzt nit so dumm wärst . . .“
„Ich bin ja gar nit so dumm . . . Hi! hihiha!“
Da sah Oldshatterhand eine mächtige, blutrote Wolke, auf der ein silberner Engel stand, und sagte es der Schwester. Auch daß die Wolke mit dem stillstehenden Engel jetzt fortschwebe.
Im Tannenwald im Tale stand Lenchen Leisegang hell vor einem Haselnußstrauch. Der Wald roch stark, und die Stämme, von der Abendsonne beschienen, leuchteten rot.
„Henkeln Sie ein bei mir“, sagte Oldshatterhand und verbeugte sich.
Sie tat es, mit einem prüfenden Blick auf die Schwester. „. . . Da!“ Und stieß ihm ihren Feldblumenstrauß in die Hand.