Der Fischer vernachlässigte den Fischfang; Tag und Nacht saß er bei der Wirtin. Niemand kaufte Fische von ihm — er hatte vergessen, am Gründonnerstag mitzuwallen.
Die Wirtin stand hinter dem Schanktisch und drückte ein Zuckerplätzchen in ihr verquollenes Gesicht, in dem der Mund gar nicht mehr zu sehen war.
„Da stehn sie um Sarg rum wie die Maulaffe! Jag sie doch zum Teufl!“ schimpfte der Fischer und hob die Arme. „Heilige Maria und Joseph! so a Gaudi. Wer tot is, den beißt ke Floh mehr. Grad komm i vom Pfarrer; er hat g’sagt: ich will mir das Ganze noch einmal vom kirchlichen Standpunkt aus überlegen . . . Will der damische Hundsknoche dem tote Mädle ke christlichs Begräbnis geb. No, i hab ’n mei Meinung mitgeteilt.“
„Aber wunderschön liegt sie im Sarge. Das greift mir direkt an das Herze“, sagte der Sachse.
„Jau, Herze!“
Die Wirtin lief hinaus zum Sarg und versuchte noch einmal, die Hände der Toten zu falten. Die Hände waren aber schon steif.
Die Kriechende Schlange kletterte schnell und ungesehen vom Baum herunter, schlich in die Wirtsstube, hinter den Schanktisch, und stahl aus der Geldschublade eine Handvoll Nickelstücke.
Die Wirtin verjagte den Spatz, der immer wieder vom Kastanienbaum herunter auf das Hundefell plumpste und, mit ein paar Haaren im Schnabel, auf den Baum zurückflog, wo er sich sein Nest baute. Sie griff ins Fell, hatte die Hand voll Haare, schüttelte den Kopf und ging zurück in die Wirtsstube, während die tuschelnden Weiber die Köpfe zusammensteckten und auf die Tote deuteten, die jetzt zerfallen aussah im kalten Licht, denn die Sonne war untergesunken.
„Sie war heut scho dreimal bei unserm Herrn Pfarrer,“ sagte eine Alte, „aber er kommt nit.“ Die Alte flüsterte der anderen noch etwas ins Ohr.
Da näherten sich scharrende Schritte und rasselnder Atem. Der großmächtige Pfarrer im Ornat kam die Treppe herauf, mit den Ministranten und dem hinkenden Flickschneider.