Der Duckmäuser reichte das wolkende Weihrauchfaß. Der Pfarrer schwang es über die Tote. „Vor der Pforte der Hölle bewahre ihre Seele. Dominus vobiscum. Et cum spiritu tuo.“
Die Weiber waren auf die Knie gesunken.
Unter der Wirtschaftstür stand der rote Fischer, die Mütze vor der Brust.
Mit seinem Malgerät und einem angefangenen Bild eilte Oldshatterhand am Mainufer entlang, bis zu dem Weidenbusch am kleinen See, wo er damals zum Schreiber und zum bleichen Kapitän gesagt hatte: ‚Ihr geht also nit mit! Ihr Feigling, habt die ganze Jahr her nur geloge?‘
Die Sonne stand hoch überm Wald, der die Weinberge umsäumt. Der Fluß glitt breit dahin. Es roch nach Wiese, Wasser und Weide, im ganzen Tal war kein Mensch, und der kleine See lag klar und blau, wie ein Auge der Erde.
Oldshatterhands Blick flog vom Weidenbusch zum Bild; er hatte kein Blättchen vergessen. Malte mit Sorgfalt und Begeisterung den goldigen Rücken einer Hummel fertig, die gekrümmt an einem Zweige hing.
Aber nur mit großer Angst wagte er an der sitzenden Gestalt etwas zu verändern, die er unter den Busch gemalt hatte — ein Mädchen, zum Baden bereit, dem das blonde Haar aufgelöst in den Schoß fiel.
Hoch am Himmel über dem Fluß zog ein Fischreiher gemessen seine Kreise, sauste unvermittelt mit ein paar Flügelschlägen davon; schnell hat ihn die blaue Ferne genommen.
Als Oldshatterhand nach einer kurzen Weile aufs neue den Blick erhob, hing der Reiher schon wieder still, aus Gold, am blauen Himmel über dem Flusse.
„Hi! hihiha!“ lachte Oldshatterhand sein kurzes, irrsinniges Lachen und malte in gotischer Druckschrift den Namen des blonden Mädchens unter das fertige Bild: „Helene, in ewiger Verehrung“, übermalte das Wort Verehrung wieder und schrieb anstatt dessen, „In ewiger Liebe“.