„Oo . . . ha hööö . . . ö!“ klang es langgezogen vom Fluß her. „Höö . . . ö!“ warf das Echo zurück: drei barfüßige Schiffszieher mit nackten Oberkörpern, hintereinander gespannt und schräg gegen den Boden gestemmt, kamen am Ufer herauf. Auf dem äußersten Ende des Lastschiffes, das sich wie von selbst den Fluß langsam aufwärts bewegte, stand ein kleiner, weißer Spitz und bellte. Das klang aus der Ferne wie das Quaken eines Frosches.
Abends um acht Uhr stand Oldshatterhand in der Eichhornstraße und wartete auf Lenchen Leisegang. Wie jeden Tag seit zwei Monaten.
Ein warmer Regen ging nieder und schlug Männchen in den Lachen, in denen sich das Licht der Laternen brach.
Gegenüber, unter einem beleuchteten Muttergottesbildwerk, stand ein dicker Infanterieoffizier, der auf die sehr schöne, vollbusige Schwester des Glasermeisters Johann Jakob Streberle wartete. Sie war auch Näherin und im selben Geschäft wie Lenchen Leisegang.
Oldshatterhand hatte seinen Gummimantel an.
Er ging auf und ab und freute sich. Das Bild hielt er unter dem Mantel versteckt.
Plötzlich, wie wenn jemand „da!“ sagt und die Gesellschaft aufhorcht, wurde es still — der Regen hatte geendet.
Lenchen Leisegang erschien unter der Haustür, blickte mürrisch in den Himmel, lächelnd auf Oldshatterhand und stieg auf den Zehenspitzen durch die Regenlachen über die Straße.
Eine Abteilung Soldaten kam marschiert. „Augen rechts!“ brüllte der Sergeant. Die Gemeinen hieben in die Regenlachen ein, daß der Dreck hoch aufspritzte und der eifrig abwinkende Offizier ängstlich seinen Mantel zusammennahm, während das schöne Fräulein Streberle mit wiegender Hüftbewegung auf ihn zuschritt.
Wo die Anlagen beginnen und die Laternen enden, verbeugte sich Oldshatterhand und sagte: „Bitte, henkeln Sie ein bei mir.“