„Weil schon die Säuglinge jede Woche rasiert werden. Der ganze Kopf. Das macht schwarze Haare. Der ist am schönsten, der ganz schwarz ist.“

Neben dem Japaner arbeitete ein Türke mit aufgeschwemmtem Gesicht. Oldshatterhand sah ihm eine Weile zu. „In der Türkei kann einer hundert Frauen haben?“

Der Türke lächelte.

„Und Treue gibt’s in der Türkei überhaupt nicht?“

„Treue?“ fragte der Türke und stieß einen Ballon voll Alkohol um. Er brachte nie etwas zustande, begann viel und beendete nichts. Aber Geheimrat von Leube liebte es, daß Ausländer in seinem Laboratorium arbeiteten.

Oldshatterhand wischte den verschütteten Alkohol auf. „Wenn aber jede Frau zehn Kinder bekommt, dann ist so ein Türke Vater von tausend Kindern? . . . Tausend Kinder in einer Familie?“

Der Türke lachte, daß seine Hängewangen zuckten. „Deshalb haben auch fast alle Türken nur eine Frau. Nur wer ganz viel Geld hat, kann auch mehr Frauen haben . . . Die Frauen sind kostbar und haben es gut bei uns . . . Nicht so wie die deutschen Frauen.“

Herr Leisegang schritt durch das Laboratorium und blickte streng umher. Herr Leisegang war klein und hatte ein Holzbein, so daß man ihn schon von weitem kommen hörte.

Die Doktoren schielten ängstlich nach ihm hin und beugten sich interessiert über ihre Arbeiten. Oldshatterhand spülte eifrig Reagenzgläser.

Herr Leisegang war der Tyrann des ganzen Spitals. Der Herr Geheimrat hätte lieber seine Assistenzärzte weggeschickt, als seinen treuen und geschickten Diener entlassen.