Die Blicke des ganzen Mainviertels waren auf die Familie Benommen gerichtet zu dieser Zeit.

Und die Familie Benommen war ehrgeizig.

Benommen der Wirt, dessen vom Vater ererbter Ehrgeiz es war, großspurig hinter dem Schanktisch zu stehen, Unterlippe und Bauch verächtlich vorgeschoben, und so und nicht anders sein Bier auszuschenken, fühlte sich schwer getroffen, da in seiner Familie etwas passiert war, das diese selbstbewußte Art, Bier zu schenken, nicht mehr ganz berechtigt erscheinen lassen konnte.

Und die Witwe Benommen, eine vermögende, gefürchtete und ob ihrer strengen Prinzipien hochgeachtete Bürgersfrau, empfand dadurch, daß ihr Sohn, der Stolz der Familie Benommen, zerrüttet und abgerissen wie ein Landstreicher in die Heimat zurückgekehrt war, ihr altes Geschäft, ihren toten Mann und ihre grauen Haare besudelt.

Aber wie einen Schuß mitten in seinen Charakter hinein empfand der bleiche Kapitän die beschämende Rückkehr des Amerikaners. Eine Woche vor dem Erscheinen des Amerikaners war er abends unbemerkt hinter einem Weidenbusch gestanden. Die Räuber saßen am kleinen See. Der Zug der Mädchen zog vorüber. Die Schöne mit den braunen Zöpfen warf einen Rosenstrauß mitten in den Räuberkreis hinein, die Räuber sprangen auf und den fliehenden Mädchen nach. Allen voran der Schreiber. Und nach einer Weile sah der bleiche Kapitän Mädchen und Jünglinge vereinigt im Dunkel der Weiden verschwinden. Ein paar Stunden später saßen die Räuber in der Kneipe der Witwe Benommen und waren schon betrunken, als der bleiche Kapitän eintrat und wie ein Pfosten stand. „Ihr habt keinen Charakter!“ stieß er hervor.

„Nun, und du?“ lachte der total betrunkene Schreiber mutig.

„. . . Ich? Ich hab Charakter! . . . Ich allein von euch allen hab Charakter!“ Und damit ging er, schloß die Tür leise und mit Kraft, und lehnte von dem Tage an alle Annäherungsversuche der Räuber schroff ab. Eilte, wie in den letzten zwei Jahren, nahe an den Häusern entlang, sprach mit keinem Menschen und stemmte wie ein Besessener.

Der bleiche Kapitän hatte bedingungslos an den Amerikaner geglaubt und war deshalb noch schroffer gegen ihn, als Mutter und Bruder.

So etwas kann vorkommen, urteilen die wenigen Loyalen, nicht jeder hat Glück in Amerika.

„Jau, so a Gaudi! Die Alte soll ihm a Paar neue Schuh käff und ’n Anzug ameß laß, dann is die G’schicht erledigt!“ schrie der rote Fischer.