„Laß mi amal schnupf!“ rief einer der „Vierröhrenbrunnensteher“.

„Wer ist denn das?“ fragte ein anderer.

„Metzger ist er . . . Da geh doch her.“

Die Kriechende Schlange setzte sich zu den Burschen auf die Brunnenschale und hielt die Tabaksdose herum.

Und Oldshatterhand dachte darüber nach, weshalb er während des kurzen Gespräches mit der Kriechenden Schlange das Gefühl gehabt hatte, nicht er spreche, sondern der rätselhafte Fremde, der ihn auf der Höhe bei Würzburg geküßt hatte.

Wenn man von Aschaffenburg, Mathias Grünewalds, des größten deutschen Malers Geburtsstadt, den Main aufwärts wandert, zweigt die Straße scharf vom Fluß ab und führt in den dunklen Spessart hinein. Stundenlang wandert man durch den Eichenwald, hat auf einer Höhe das unabsehbare gewellte Waldmeer vor sich liegen, sieht stille Waldtäler, von Forellenbächen durchzogen, und es begegnet einem stundenlang kein Mensch. Ein Hirsch tritt auf die Waldlichtung heraus, hebt das Geweih und bricht weg, sobald er den Wanderer erblickt. Rehe äsen auf den Abhängen. Amseln singen. Spechte hämmern. Große dunkle Klöße bewegen sich am Waldboden, vom aufgewühlten, dunklen Waldboden kaum zu unterscheiden — plötzlich bricht das Wildsaurudel krachend durch das Gebüsch davon, daß die Erde zittert; und einen Atemzug lang schweigen alle Vögel. Eine Amsel beginnt wieder zu pfeifen, und sie scheint das einzige Lebewesen zu sein, so groß kann unvermittelt die Stille dieses Hochwaldes sein.

In dieser Einsamkeit, abseits der Straße, steht ein zerfallendes, graues Haus. Türen und Fensterscheiben fehlen, lange Gräser spielen auf dem Dache.

Die wenigen Bewohner des Spessarts erzählen noch heute von einem Wirt, dem vor langen Jahren das Haus gehört hatte — er habe die Reisenden, die bei ihm einkehrten, ermordet und beraubt und sei dafür in Würzburg am „Letzten Hieb“ gehängt worden.

In diesem Hause wohnten einen ganzen Sommer lang der Kunstmaler Franziskus Grünwiesler und sein Freund Oldshatterhand.

„Dieses Haus gehört niemand“, hatte Franziskus Grünwieslers weißbärtiger Onkel gesagt, welcher Bürgermeister des nächsten, drei Wegestunden vom grauen Haus entfernt liegenden Spessartdorfes war. „Und es wagt sich auch keiner in die Nähe.“