„Tom der Reimer saß am Bach!“ rief Immermann begeistert.

Viele Wege und Pfade, die zu den Weinbergen oder daran vorbei führten, waren schon gesperrt, denn die Trauben begannen gelb zu werden. Oldshatterhand sah auf das kleine, graue Männlein, das reglos am Waldsaum stand. Es hatte ein Messinghorn an der Seite hängen.

„Ist das wahr“, fragte er den Weinbergshüter, „daß Sie den Buben, die sich ein paar Trauben holen, Pfeffer und Salz in die Waden schießen?“

Der Alte zwinkerte ihm pfiffig zu und klopfte auf sein Messinghorn. „Früher han i’s ton. Jetzet blas i. Dann bricht glei’s ganze Dorf auf und umstellt ’n Wenger.[1] Jetzet erwisch’n wir die Bub’n immer.“

[1] Weinberg.

„Ach nein!“ rief Oldshatterhand erschrocken und ging weiter, bis zum Gemüsegarten der Roten Wolke, der etwas abseits vom Gärtnerhäuschen lag und von einer gerade beschnittenen, dichten Buchsbaumhecke eingezäunt war.

Hinter der Hecke blieb er stehen, blickte in den Garten und horchte.

Das junge, schöne Lehrerstöchterchen stand bei der Roten Wolke und einem rotbäckigen Jüngling. Der sagte: „Bis übermorgen könnt ihr die zwei Hauptrollen studiert haben von meinem Stück“, und reichte der Roten Wolke sein Manuskript.

„Des Stadttürmers Klärchen und der Zigeunerhauptmann. Tragödie in fünf Akten“, las die Rote Wolke vor.

Der Wald warf seinen langen, abendlichen Schatten bis zum Ziehbrunnen des Gemüsegartens. Die Rote Wolke schlug das Manuskript auf, begann die Brunnenkurbel zu drehen, stellte die Fußspitze zurück und rezitierte: