„Entflieh mit mir, Klärchen!

Durch Sturm und Nacht, ha! reiten wir.“

Die Brunnenkette knarrte, der Kübel erschien.

Die Lehrerstochter schüttete das Wasser in die Gießkanne und goß das Blaukrautbeet, sah den Dichter an, die Rote Wolke und sagte verschämt: „Es lebe die Kunst und die Liebe.“

Achtes Kapitel

Im Oberlichtsaal der Königlichen Akademie der bildenden Künste in München waren an den Wänden die Arbeiten der jungen Maler aufgehängt, die sich der Aufnahmeprüfung unterzogen hatten. Kein Mensch war im Saal; nur die Prüfungsarbeit, ein flachgequetschter Negerkopf mit grellem Augenweiß, grinste in ein paar hundert Exemplaren in die Leere.

Der alte Pedell mit grauem Petrusbart öffnete die Flügeltüren und ließ die Prüfungskandidaten eintreten, eine Schar Jünglinge, meist in kurzen Sammethosen und mit langen Haaren. Sie sollten selbst sehen, ob sie aufgenommen waren. Ein Kreis auf der Arbeit bedeutete — Prüfung bestanden, ein Kreuz — durchgefallen.

Ein junger Maler mit scharfem Kardinalgesicht lief allen voran bis in die Saalmitte. Sein Blick irrte suchend herum, wobei sein Körper hin und her zuckte, wie wenn er einen scharfen Kampf mit einem gefährlichen Gegner zu bestehen hätte. Plötzlich stürzte er zu seinem Negerkopf.

Die andern quollen, zusammengedrängt, ängstlich durch die Tür und strahlten auseinander. Keiner konnte seine Arbeit gleich finden, weil auf den ersten Anblick hin die still grinsenden Negerköpfe voneinander nicht zu unterscheiden waren.

Verklärte Gesichter. Freudige Ausrufe. Augen, die fassungslos, empört oder traurig auf die Kreuze blickten.