„Und Sie wissen ja selbst“, beendete die Dame das Gespräch, „daß es gefährlich ist, sein Leben lang konsequent in einer Linie zu gehen. Denn nebenher und kreuz und quer laufen Millionen Wege des Lebens, und an manchen Überschneidungen lauern für den Immerkonsequenten der Irrsinn und der Untergang. Aber leben Sie wohl, bis dahin“, schloß sie scherzend und ging.

Oldshatterhand setzte sich und sah umher.

Am Nebentische schüttete ein Maler ein Tellerchen voll Preiselbeerkompott in sein Glas Milch, rührte das Ganze um und hielt es gegen das Licht. Es glich in der Farbe genau seiner mit unzähligen violetten Äderchen besetzten, käsigen Gesichtshaut. Er goß die Preiselbeermilch in den Magen.

„Was meinte die Dame mit den Millionen Wegen des Lebens?“ fragte Oldshatterhand den Fremden, der ihn gerührt ansah, wie man eine Jugendphotographie von sich betrachtet.

„Die Dame meint, man müsse Kompromisse machen im Leben, sonst komme man unter die Räder.“

Oldshatterhand errötete heftig und schnell und fühlte sich gedemütigt, weil er nicht wußte, was das Wort Kompromiß bedeutet. Danach zu fragen, brachte er nicht über sich.

„Ein Schuster hat im vornehmsten Viertel sein Geschäft“, erklärte der Fremde; „die Herrschaften, die feinen Damen, die da wohnen, wollen nur elegante, ganz leichte Schuhe. Aber der Schuster sagt ihnen immer wieder: ich mache nur feste Stiefel mit Doppelsohlen, nur die halten etwas aus, — bleibt konsequent und macht lieber bankerott, als leichte Schuhe.“

„Ah da!“ rief Oldshatterhand und sprach mit den Händen mit. „Mechaniker Tritt arbeitet ein Vierteljahr lang an einem seiner elektrischen Türschlösser, auf die er stolz ist. Der Bezahlung nach müßte er so ein Schloß aber in einer Woche fertig haben.“

„Und macht natürlich bankerott. Ja, daß man das nicht solle, meinte die Dame.“

„Ja . . . aber der Herr Tritt heiratet ja dann immer wieder eine Frau mit Geld.“