„Und macht seine elektrischen Türschlösser weiter!“
„Ja.“
„Der Herr Tritt ist aber gar kein . . . Lebenskünstler, sondern ein hundsgemeiner Lump.“
„So ein ganz klein bißchen gemein ist jeder Lebenskünstler. Und wer keiner ist, wird an sein Kreuz genagelt. . . . Es gibt unendlich viele, verschiedenartige Kreuze, und an allen hängen Menschen daran.“
Da erbleichte Oldshatterhand bis in die Lippen; zurückweichend sah er den Fremden an, denn er glaubte, sich selbst lachen zu hören. Der Fremde hatte das irrsinnige Lachen Oldshatterhands gelacht. Und ganz nahe hergebeugt, mit dem langen Zeigefinger deutend, flüsterte er jetzt: „Aber es gibt ein Kreuz in grauer, teuflischer Einsamkeit. An diesem furchtbaren Kreuz hängt der krummgenagelte Mensch, der nicht mehr rachsüchtig sein, sich nicht mehr wehren kann und will, weil er weiß, daß alle, die ihm Böses antun, daß auch der brutalste Mörder nur ein armer Mensch und ohne Schuld ist. Weil man ja auch ihn so lange gepeinigt, gedemütigt, geschlagen hat, bis er ein bösartiges, gefährliches Tier wurde . . . Der Mensch, der das weiß und danach handelt, der hängt an dem schaurigsten Kreuz, auf dem schaurigsten, einsamsten Gipfel. Denn ihn quälen alle, weil sie fühlen, daß er nicht zurückschlägt.“
„Das ist Jesus Christus“, sagte Oldshatterhand ganz langsam.
„Höre einmal, du.“ Der Fremde faßte Oldshatterhand an die Schulter; seine Stirne wurde tiefrot und sprang vor. „Es gibt viele Christusse.“
„. . . Nur einen hat’s gegeben.“
„Nein, nein! Immer leben Christusse, aber man kennt sie nicht. Will sie nicht kennen!“ Die Stirne des Fremden wurde sichtbar weiß; er richtete sich auf. „Ober, sehen Sie nach, ob der Brief jetzt gekommen ist.“ Der Kellner eckte von Tisch zu Tisch.