„Laaaa“, sang ein Gast laut und langgezogen und breitete dabei langsam die Arme aus. „G-Dur, verstehen Sie“, schloß er brüllend.

Der zuckerkranke Wirt saß reglos an seinem Platz neben dem Büfett. Nur manchmal gab er dem Ober mit dem Augenlid ein Zeichen. So saß er seit dreißig Jahren. Sein Gesicht war aus Wachs, und die schwarze Haut unter seinen Augen sank faltenbildend übereinander.

Gäste wechselten die Plätze und besuchten sich. Ein Trupp neuer Gäste schob sich durchs Lokal.

Hälse reckten sich, alle nach einer Ecke hin, Adamsäpfel stachen hervor; fächerartig schob sich eine Anzahl Gäste auf einen langen Italiener zu, der eine Zeichnung hochhielt.

Auch der Wirt wandte langsam wie eine Jahresuhr den Kopf und sah wieder vor sich hin.

„Ich kannte zwei Maler.“ Der Fremde saß bequem zurückgelehnt. „Beide waren ganz arm, sehr begabt und ungeheuer kunstbegeistert . . . Der eine hat sich in Paris erschossen . . . Der andere malt jetzt Postkarten in Berlin — Schweinchen, die ein Auto lenken, und Feldhasen mit Stulpenstiefeln, Säbel und Helm, die vor einem Postenhäuschen stehen und das Gewehr präsentieren vor einem loyal dankenden Feldhasen in Generalsuniform . . . Dieser Maler lebt zufrieden, es geht ihm gut, denn er verdient mit seinen Postkarten genug Geld . . . Ganz selten wird ein Mensch geboren, der sein Leben lang nie einen Kompromiß schließt.“

„Ich werde niemals Schweinchen malen, die ein Auto lenken.“

„Nein, Sie nicht“, sagte der Fremde im selben Tonfall, in dem er damals auf der Höhe von Würzburg gesagt hatte: nein, Sie sind nicht schwach.

„Da erschieße ich mich lieber auch.“ Oldshatterhand warf den Kopf in den Nacken. „Das glauben Sie nicht? . . . Da kennen Sie mich nicht“, schloß er geringschätzig.

„Doch, ich kenne . . . mich.“