„Ich weiß ja nit, wie Sie darüber denken“, wandte sich der bleiche Kapitän an den Fremden, „aber wenn das Knochengerüst dort schreit: Menagerie! — da sagen Sie einmal selbst, ob ich diesem Gespenst nit das Kreuz einschlagen soll. Überhaupt, wenn bei uns a Mädle sagt: ‚mein Vater ist ein Trottel‘, kriegt sie eine Maulschelle.“
Der Pelerinenherr nahm den Billardstock quer vor den Leib und wandte sich seinen Freunden zu: „Wissen Sie, daß es in Süddeutschland gärt? Im Westen. Der Osten rührt sich. Das Rheinland . . . Eine geheime Verbindung. Keiner weiß von der Existenz des anderen. Aber fluidisch kennen sie sich alle. Ich habe die imponderablen Fäden in der Hand! Ich!“
Die Blonde machte mit den Händen hastige Klaviergriffe; ihre Augen öffneten sich starr. „Ich denke in Oktaven — ganz schnell! ganz schnell! bis zurück, da ich ein Kind war . . . Jetzt sehe ich meine Mutter durch den Sommergarten gehen“, flüsterte sie, „und mein weißes Kleidchen von der Wäscheleine nehmen . . . Da war ich drei Jahre alt.“ Sie wachte auf. Der Lange strich ihr beruhigend-zärtlich über die Hände.
Der Leutnant verließ das Café.
„Also und, aber jetzt geben wir dem ein wenig Menagerie.“
Da bot der Fremde dem König der Luft eine Zigarre an. „Sind Sie schon oft mit hinaufgeflogen?“
„Hn? . . . Also und, das hab ich auch geglaubt.“ Er stand auf, streckte das Bein wagerecht aus und begann den Kanonenstiefel zu kreisen. „Also seit fünf Wochen Fußdrehen . . . Oder Ausschwärmen. Man rennt, was man kann, bis der Unteroffizier schreit . . . Halt! Dann steht man und gafft die Kasernenhofmauern an . . . Oder Kopfrollen.“ Der König der Luft rollte den Kopf. Die Zähne mahlten. Die tiefe Falte war da.
„Also und, aber das Essen ist ausgezeichnet. Sooo ein Trumm Fleisch. Und Kartoffeln, soviel man will . . . Alles was recht ist . . . Aber also und, was machen wir denn jetzt mit dem da, von wegen der Menagerie?“ Alle blickten auf den Billardspieler.
„Wenn wir noch rechtzeitig in den Zirkus kommen wollen, müssen wir aber sofort gehen“, sagte der Fremde und stand auf.
Nach der Zirkusvorstellung wurden Fräulein Schlauch und die Liebste des Schreibers in ein Hotel gebracht. Die Räuber verabschiedeten sich vor der Tür: sie schliefen in einem anderen Hotel.