Am folgenden Morgen kam der bleiche Kapitän, kurz bevor der Zug nach Würzburg abging, allein zu Oldshatterhand. Er war verlegen. „Weißt du denn eigentlich, daß ich der siebzehnte Meisterschaftsathlet von Unterfranken bin?“
„Wie meinst du das? Siebzehnter?“
„Nun, ich bin eben der siebzehnstärkste Mann von Unterfranken und Aschaffenburg.“ Er entkleidete sich.
Oldshatterhand betrachtete als Maler den bleichen Kapitän. Die Beine waren ein wenig zu lang, ein wenig zu dünn, und ein wenig O-geformt, und schienen den kolossalen Oberkörper, weiß und hart wie Elfenbein, kaum tragen zu können.
Mit dem Gefühl, er sei in diesem Augenblick nicht mehr Oldshatterhand — sondern der Fremde, sagte Oldshatterhand bestimmt und mit einem neuartigen Lächeln im Gesicht: „Du mußt der erststärkste Mann von Unterfranken werden“, und empfand erschauernd die Distanz zwischen dem nackten Jüngling und sich.
Nach einigen Wochen kam ein begeisterter Brief aus Würzburg. Der bleiche Kapitän war der fünfzehnte Meisterschaftsathlet von Unterfranken und Aschaffenburg geworden.
Die Rote Wolke war nicht mit den Räubern in die Heimatstadt zurückgereist. Aufgeregt stand er bei Oldshatterhand in der Kammer und rezitierte den Faustmonolog. Denn noch am selbigen Tage wollte er zu Konrad Drauer gehen und ihm vorsprechen.
Die Rote Wolke stapfte durch den verschneiten Englischen Garten. Seine Lippen bewegten sich. Er blieb stehen, rezitierte laut und agierte mit den Armen. Freude und Entschlossenheit erfüllte ihn, da er seine Jugendjahre so gut zum Lernen der klassischen Dramen benutzt hatte.
„Der Herr Hofschauspieler ist jetzt nicht zu sprechen.“
„Ich habe schon an ihn geschrieben! Sagen Sie nur, Theobald Kletterer ist da.“