Grünwiesler in Kniehosen stand auf der Leiter vor der Susanna von van Dyck und äugte angestrengt auf seine Kopie und zurück aufs Original, sah auf und stierte erschrocken Oldshatterhand an. Mischte aber noch einmal Farbe auf der Palette und verzog dabei die Lippen wie sein Freund Immermann, was Oldshatterhand erstaunt beobachtete. Dann erst stieg Grünwiesler von der Leiter herunter und hieb, in sich hineinkichernd, Oldshatterhand die Hand auf die Schulter: „Da bist du ja. Das war lieb von dir.“
Oldshatterhand konnte sich nicht freuen. Er hing dem Lippenverziehen Grünwieslers nach und fühlte einen Knoten in seiner Brust. „Die Stirn ist zu hoch“, sagte er und deutete auf die Kopie.
„Meinst du?“ Er verglich. „Du hast recht.“ Und stieg wieder auf die Leiter.
Oldshatterhand wurde es leichter, weil er den Fehler entdeckt hatte. „Wollen wir nicht fortgehen? Hier können wir ja nicht sprechen.“
„Ja, gleich. Ich will nur erst Bratmund holen. Er kopiert hinten im Murillosaal.“
„Den können wir doch jetzt nicht brauchen.“
Grünwiesler neigte den Kopf schulterwärts und sah Oldshatterhand mit seinem Kanarienvogelblick an. „Ich hab’s ihm versprochen. Er ist ein guter Kerl. Ich hole ihn gleich. Warte ein bißchen.“
Oldshatterhand setzte sich auf die Polsterbank und sah auf die Susanna von van Dyck, ohne etwas zu sehen. Der Druck war wieder da.
Die beiden kamen zurück. Der Maler Bratmund hatte aufgeworfene Lippen, eine Stülpnase, und seine hohe Stirne war trotz der vielen Falten ausdruckslos, wie die eines unheilbar Verblödeten.
„Jetzt gehen wir essen“, sagte Grünwiesler und lachte fröhlich. Und auf der Straße sagte er: „Jetzt, was meinst du eigentlich zu der ganzen Sache? . . . Wo soll das Häuschen stehen? Im Spessart?“