„Ich glaub, ich hab geschlafen.“
„Nun, dann schlaf halt noch ein bißchen weiter“, hörte Oldshatterhand den bleichen Kapitän sprechen und horchte.
„Wo mag eigentlich der Duckmäuser hingekommen sein? Man hat nie mehr was gehört von ihm.“
„Der Duckmäuser?“ rief der Schreiber lachend, „wo wird der sein — ich sag, der ist irgendwo Kirchendiener.“
Oldshatterhand schlich weiter, begann zu laufen, blieb sofort wieder stehen, weil ihm plötzlich Winnetou eingefallen war. Da hörte er einen der Räuber leise die Mundharmonika spielen und lauschte eine Weile in seltsamer Verzückung. Dann ging er in der Richtung nach dem „Käppele“.
Bei der alten Brücke hörte er eine Stimme und hatte augenblicklich die Empfindung, den Geruch vom Zimmer seiner Eltern zu riechen, noch bevor er seinen Vater erkannt hatte, der, auf dem Wege in die Singprobe, in Armeslänge vor ihm beim säbelbeinigen Polizeiwachtmeister stand. Die beiden hatten vor dreißig Jahren zusammen in Augsburg gedient.
Die Angst bewahrte Oldshatterhand vor einer Ohnmacht. Er bog ab von seinem Wege, in eine Nebengasse, rannte weiter und blieb, außer Atem, endlich auf dem Leidenswege Christi stehen, der zum „Käppele“ in die Höhe führt. Um Luft zu bekommen, heulte er und drückte mit den Augenlidern, um Tränen zu bekommen.
Hier und da, vor den vergitterten Leidensstationen, döste ein rotes, ewiges Licht.
Was er Winnetou sagen wollte, wußte er nicht. Er hatte nur das bestimmte Gefühl, Winnetou könne ihn retten.
Klein stand er vor dem gewaltigen Kreuz auf der Höhe, an dem Jesus hängt.