Es erregte allgemeines Kopfschütteln und Begriffsverwirrung, als die frühere Kellnerin und jetzige junge Frau des roten Fischers halbe Tage lang in Winterkälte im Wertschelch stand und Fische, die ihr Mann gefangen hatte, zentnerweise schuppte und ausnahm. War ihr Mann allzusehr gegen die Morgenseite der Nacht hin immer noch nicht nach Hause gekommen, dann ging sie ihn in allen Kneipen suchen, bis sie ihn fand, trank stillschweigend und vergnügt auch einen Schoppen, faßte den Fischer unter und trottete mit ihm heimwärts, wobei er mit dem Daumen über die Schulter zurückwies und seiner Frau deutlich erklärte, was das für Hammel und Rindviecher seien.
Der Schreiber war Bureauvorsteher beim Rechtsanwalt Karfunkelstein geworden, unterstützte seine Eltern und war mit seiner Liebsten verlobt. Er hatte eine schwere Krankheit durchgemacht und die heiligen Sterbesakramente empfangen. Der Arzt hatte ihn aufgegeben und gemeint, es sei auch besser für ihn, wenn er sterbe, er würde im Kopfe nicht mehr richtig sein. Der allzu viele Wein habe sich ihm aufs Gehirn und in die Knochen geschlagen. Aber der aufgegeben gewesene Schreiber war wieder gesund geworden, auch im Kopf; nur ein etwas steifes Bein hatte er zurückbehalten. Jetzt war er wieder täglicher, treuer Gast beim bleichen Kapitän, dem jungen Bäckereibesitzer und Weinwirt.
Die anderen Räuber hatten nicht jeden Abend Zeit, bei ihrem Hauptmann zu Gast zu sein, denn da waren der Kegelklub „Kanonenrohr“, der Radfahrerklub „Um die Welt“, die Rauchgesellschaft „Vesuv“, die streng auf das regelmäßige Erscheinen ihrer Mitglieder hielten.
Der König der Luft hatte dem „Turnerbund Jahn“ eine Akrobatenabteilung angegliedert, von welchem Zeitpunkte an die Varietévorstellungen des „Turnerbundes“ einen bedeutenden Ruf genossen.
Falkenauge gehörte aus Sympathie von früher her noch dem Angelklub „Walfisch“ an, war Mitglied des Gesangvereins „Zwischen grünen Bäumen“ geworden, dessen Gründer und erster Vorstand der Vater Oldshatterhands war. Aber vor allem galt Falkenauge als das bevorzugte Mitglied des Vogelstutzenklubs „Löwenjagd“ und genoß eine ziemliche Berühmtheit, denn er errang alle ersten Preise, obwohl er einäugig war und mit dem linken Auge zielte, jedoch rechtshändig schoß, eine Tatsache, die von keinem Löwenjagdmitglied jemals begriffen wurde.
Der König der Luft hatte nach Kampf das blonde, schmale Mädchen seinem Freund Falkenauge weggeheiratet. Den eine um zehn Jahre ältere Witwe geheiratet hatte, die einen kleinen Lederhandel führte, eine tüchtige Geschäftsfrau war und sehr resolut.
Die Rote Wolke, dessen Tante gestorben war und ihm ihr Häuschen und die Gärtnerei vermacht hatte, gehörte allen Vereinen zusammen an. Nicht nur, weil er für alle Festveranstaltungen die Blumendekorationen ausführte, sondern hauptsächlich deshalb, weil er, als alle anderen weit überragender Charakterschauspieler und jugendlicher Held, für die Vereinstheatervorstellungen gesucht, außerordentlich geschätzt und anerkannt war. Er hatte das schöne Lehrerstöchterchen geheiratet. Sie war eine junge, frische Frau mit wohlgewachsenem Körper und verträumten Augen, und las der Roten Wolke, wenn er Leichenkränze band, die schönsten Stellen aus den klassischen Dramen vor. Und manchmal, wenn ein Freund bei ihnen saß, sagte sie zärtlich: „Mein Mann spricht genau so wie der Bürgermeister von Bamberg.“
An einem Abend jeder Woche aber kamen alle Räuber in der Weinwirtschaft ihres Hauptmanns zusammen. Denn dieser hatte, als guter Geschäftsmann schnell entschlossen, für seine Leute einen ganz neuen Verein gegründet: den Skatklub „Bargeld lacht“, der fünfundzwanzig Jahre später, als der Fremde zum letzten Male Würzburg besuchte und die Räuber schon fünfzig Jahre alte, graubärtige Männer waren, immer noch bestand.
Auch jetzt war der Fremde in Würzburg.
Er ging langsam über die alte Mainbrücke. Die Menschen sahen sich um nach ihm. „Ah, Herr Baron“, neckte ihn ein barfüßiger Junge, blieb stehen und blickte ihm mit großen Augen nach.