Es war schon fast dunkel, Schwalben zuckten schreiend in der Luft umher, und über der Festung hing eine große Wolke mit glühendem Saum. Am Brückenheiligen Kilian lehnte ein Bursche und spielte für sich leise die Ziehharmonika.
Der Fremde ging vollends über die Brücke ins Mainviertel. Bürger saßen vor den Haustüren, blickten prüfend in den Himmel, ob es regnen würde, rauchten und unterhielten sich. Ein Mädchen sang zum offenen Fenster hinaus und ließ dabei den Rolladen herunter.
Der Fremde blieb stehen und sah Herrn Mager an, welcher aus der „Altrenommierten Weinstube zu den drei Kronen“ trat.
Herr Mager strich sich mit dem Zeigefinger über das erhabene, blaue Aderngeflecht seines gichtigen Handrückens. Seine Apfelbäckchen glühten. Denn er trank jetzt manchmal ein paar Schoppen über seinen Durst. Sonst hatte er sich in all den Jahren gar nicht verändert; seine Haare waren noch dunkel, sein Körper zäh und dürr und aufgereckt wie immer.
Bei jedem Schritt die rechte Schulter vorschiebend, seinen Spazierstock aus Weichselholz, an dem ein Riemchen hing, aufs Pflaster stoßend, schritt er aufrecht weiter.
Vor dem „Spitäle“ blieb er stehen, zog seine Taschenuhr und verglich sie befriedigt mit dem beleuchteten Ziffernblatt.
„Grüß Gott, Herr Lehrer“, sagte der säbelbeinige Polizeiwachtmeister und legte die Hand an die Mütze. Sein Bart war blauweiß geworden. Er redete heftig gestikulierend weiter. Hüftlings auf seinen Stock gestützt, horchte Herr Mager mit strenger Miene. Sie steckten die Köpfe zusammen — es hatten da letzthin einige Schulbuben etwas angestellt. Man wußte nur noch nicht recht, wer die Gauner waren.
Der Fremde stieg die drei Stufen hinauf „Zum schwarzen Walfisch von Askalon“.
„Mit ’n Grünober hättst stech müß, dann hättst dei Herzaß heimgebracht“, sagte still der Schreiber und mischte die Karten flink. Die Räuber waren versammelt.
„Er is halt ein Rindvieh“, sagte wütend Falkenauge, der durch das verkehrte Spielen des Königs der Luft sieben Pfennig verloren hatte. „Das sag ich ihm schon seit Jahr und Tag, aber er will’s nit glaub.“