„Oh, halt doch’s Maul!“
„Da hockt er ja“, sagte der Schreiber lachend und deutete auf Winnetou.
„Ich meine doch den wirklichen Winnetou in den Karl May-Büchern“, rief der bleiche Kapitän wütend.
„Winnetou ist tot?“ fragte Winnetou leise. „Das ist nicht möglich. Wie soll denn das passiert sein.“
„No, ein paar hundert . . . ich glaub so an fünfhundert Siouxindianer gegen Winnetou allein! Er ist halt überrascht worden, in einer Höhle, die nur einen Ausgang hatte . . . Von sechzig bis siebzig Pfeilen ist er tödlich getroffen worden, weil die Feigling nur immerzu in die Höhle geschossen ham. Hinein hat sich ja keiner getraut.“
„Ja, aber wo war denn Oldshatterhand derweil? . . . Wie konnt er denn in so einem Augenblick nit da sein?“ fragte Winnetou erregt.
Oldshatterhands Augen und die aller anderen Räuber waren auf den bleichen Kapitän geheftet.
„Das ist’s ja! Der war grad gefangen. Er hat aber schon sowas geahnt und hat sich befreit vom Marterpfahl . . . Und dann hat er eine ganz unglaubliche Leistung vollbracht, sag ich euch . . . Tag und Nacht ist er in einem fort geritten . . . Er ist überhaupt schon nimmer geritten, sondern geflogen auf seinem ‚Rih‘. Und ist halt doch grad um ein paar Augenblick zu spät kommen. In Oldshatterhands eigenen Armen ist Winnetou ein paar Minuten danach gestorben . . . Die letzten Worte Winnetous müßt ihr les’ . . . Ich mag ja gar nix sag . . . Und dann heißt’s: Hundertmal hast du mir das Leben gerettet, mein roter Bruder Winnetou, und jetzt muß ich zu spät kommen . . . Oldshatterhand hat sogar geweint.“
Die Räuber saßen stumm, mit glänzenden Augen, die den wilden Westen sahen, die Höhle, in der Winnetou verschieden war.
Oldshatterhand sah eine endlose Reihe wildbemalter Siouxindianer durch die sonnenfunkelnde Prärie galoppieren — aber am äußersten Ende, da, wo Prärie und Himmel sich berührten, stand die Räuberbande, ein kleiner, schwarzer Punkt — schußbereit.