Ein paar Tage später, an einem Mittwoch, starb er.
„Im Grunewald, im Grunewald ist Holzauktion, ist Holzauktion“, spielte der Zwerg in schnellem Mazurkatakt.
Die brustkranke Wirtstochter trat auf den Sohn des Tanzlehrers zu und lächelte. „Spiel e bißle langsamer“, sagte sie bittend zum Zwerg, der sich verbindlich verneigte, „wir wolle a tanz“, und zog lachend den Kranken vom Stuhl empor. Langsam, ganz vorsichtig, tanzten sie Walzer, angestoßen und überholt von einem kräftigen, kurzbeinigen Fischer, der mit seinem Mädchen mazurkastampfend im Saal herumraste und dem Zwerg fortwährend zuschrie: „Spiel schneller! Spiel schneller!“
Die Mutter der Kriechenden Schlange, die mächtige, geschminkte Wirtin mit zarter, heftpflasterrosa Haut und vom Korsett in die Höhe gehaltenem überquellendem Busen, fragte freundlich lächelnd die vier Räuber: „Tanzen Sie nicht, meine Herren?“ und warf, ohne Antwort abzuwarten, einen bösen Blick auf ihren kleinen Mann, der einen fettigen Fes auf dem Kopfe hatte, über seine Kaffeetasse gebeugt saß, ein Hörnchen eintauchte und es so lange weichen ließ, daß ihm dann der Kaffee zu den Mundwinkeln heraus, am Schnurrbart herunter und zurück in die Tasse lief.
„Schämst dich nit, alte Sau!“ rief die Wirtin ihrem Manne zu, und der Kriechenden Schlange: „Nehm ihm die Tasse weg und trag sie in die Küch.“
Die Kriechende Schlange sah seine Mutter frech und unbekümmert an, blieb am Schanktisch lehnen und sagte höhnisch: „Was geht’s mich an. Laß ’n rumpantsch.“
„Tanzen Sie doch auch, meine Herren“, animierte die Wirtin. Ihr Mund wurde klein vor Freundlichkeit.
Der bleiche Kapitän stülpte verächtlich die Lippen nach außen. „Wir wern da im Kreis rumhüpfe.“
Die Kriechende Schlange platzte mit dem Lachen heraus.