„Da bleib ich“, sagte die Kriechende Schlange ruhig und lümmelte sich auf den Schanktisch.

Die Wirtstochter, jetzt mit rosig überhauchten Wangen, kam hereingelaufen zu ihrem Vater und stand, die Ellbogen auf den Tisch gestützt und die Hände um das eirunde Gesicht gelegt. „Schau, er kommt ja wieder. Der Frau Benommen ihr Caro war auch einmal vierzehn Tage verschwunden. Sie hat’s in die Zeitung setz laß, und da hat ihn ein Bauer aus Versbach zurückgebracht. An einem Kälberstrick. Nur sei Hals war e bißle vom Strick geränft.“

„I hab scho e Tinktürle kauft, daß wenn er vielleicht die Krätze hat, oder sowas. Und schau . . . den neue Kamm.“ Der Wirt zog einen großen Hundekamm aus seiner Brusttasche, wobei er vorsichtig zu seiner Frau hinsah.

„Steck ’n ein. Sie braucht ’n ja nit zu sehn.“

„Zsssssss“, ertönte es von draußen. Johann Jakob Streberle trat ein und der zarte Sachse, der ein junges Mädchen, das sich verschämt am Türpfosten wand, hereinzog. Sie trug noch kurze Röcke, eine blaue Seidenschleife im offenen, rötlichen Haar, und ihr geschwungener Mund war tiefrot. Ihr Vater war Viehhändler gewesen, hatte sein Vermögen verloren, sich auf dem Schloßberg an eine alte Linde gehängt und sein Kind als mittellose Waise zurückgelassen, worauf der Inhaber der hygienischen Anstältchen sich ihrer angenommen hatte.

Die Räuber blickten verhalten auf Johann Jakob Streberle, dessen lachender Mund sich schloß, als er die vier still und eng beieinander auf dem Kanapee sitzen sah.

„Dreihundertsiebenundsechzig Fenster mitsamt die Rahmen, die ganze Glaserarbeit vom neue Krankenhaus is mir zug’schlage worn, weil i’s Fenster um zwä Mark billiger mach als alle andern“, rief er, steckte die Hände in die Hosentaschen und streckte den Bauch vor. „Das muß mer halt versteh.“

Wütendes Schimpfen näherte sich; der rote Fischer erschien unter der Tür, in das Fell eines Bernhardinerhundes gehüllt, dessen präparierten Kopf mit grünen Glasaugen und aufgerissenem Maul er sich übers Haupt gestülpt hatte.

Die mächtige Wirtin, die eben ein Zuckerplätzchen in den Mund steckte, sah hämisch lächelnd auf ihren kleinen Mann, der interessiert zum Fischer trat, das Fell streichelte und plötzlich unter der Bräune seines Gesichtes erbleichte, denn er hatte seinen eigenen Hund an der Zeichnung erkannt. Die Wirtin hatte den Hund schlachten lassen, um zu der gewünschten Bettvorlage zu kommen. Der Fischer lachte breit.

„Hast mein Hund umgebracht?“ stotterte der Wirt, „mein Sultan.“