„Da, greifen Sie nur selber nei.“

Von Zuschauern umringt — alle Tanzschüler waren ins Wirtszimmer gekommen — zog der Wachtmeister, während der bleiche Kapitän, vom Schreiber gedeckt, den Dolch immer tiefer ins Kanapee stieß, unter größter Stille aus der Hosentasche Oldshatterhands eine lange, geknickte Hahnenfeder, drei Zigarrenstummel, ein aufspringendes Blechkästchen, in dem Angelwürmer sich ringelten, einen Himbeerapfel, eine Handvoll alte Briefmarken, ein Flötchen und eine Meerschaumspitze, mit einem Segelschiff darauf, in welcher der Wachtmeister, als er durchsah, eine farbige Alpenlandschaft mit weidenden Kühen erblickte. Ein zartrosa Würmchen schlängelte sich aus dem schwarzen Loch der Meerschaumspitze heraus und um den Zeigefinger des Wachtmeisters herum, der die Spitze erschrocken von sich schleuderte, so daß sie zerbrach.

„Habt ihr’s Messer g’sehe?“

„Ach, er hat ja kein Messer“, sagte die Wirtin begütigend.

„Und wenn er scho ens hat“, rief der Fischer. „Jau, so a Gaudi.“

Aber Johann Jakob Streberle deutete auf Oldshatterhand: „I hab’s g’sehe! Also muß a da sei.“

Ratlos griff der Wachtmeister Oldshatterhand auch noch in die Westentasche und zog siebzehn Pfennige heraus. „Das hab ich zammg’spart, weil ich meiner Mutter eine Küchenlampe kauf will, zu ihrn Geburtstag!“ rief Oldshatterhand und blickte in furchtbarster Verlegenheit den bleichen Kapitän an.

„Was verlangst denn dann von mir Geld, wenn du selber hast!“

„Du glaubst’s nit . . . Kannst ja selber mei Mutter frag, ob sie die Küchenlampe nit braucht.“

Nachdem der Wachtmeister noch unter Tisch und Kanapee gekrochen war, ging er, der zerbrochenen Meerschaumspitze wegen, schnell weg.