„Ja, was soll ich sagen“, sagte sie, hielt ihm die kleine, abgestumpfte Hand hin, und er sah die neuen, ganz besonderen Falten an, die sich in diesen Wochen in ihrem Gesichte gebildet hatten. Auch ihre Kopfhaltung und ihr klagender Blick drückten aus, daß die Hoffnung, ihm helfen zu können, in Machtlosigkeit und Qualen gestorben war.

„Bist müde?“ — Das ist nicht das Richtige, dachte er sofort.

„Ja, ich setz mich ein bißchen daher.“ Sie drückte erst vorsichtig auf die Pritsche und setzte sich dann auf die Ecke.

„Wie gehts dem Vater?“

Da sah sie wieder auf die Hände in ihrem Schoß. „Och, wenn der nur seine Zeitung hat . . . Grüßen läßt er dich.“ Die Tränen tropften nacheinander auf die braunen Handrücken hinunter.

„Grü . . . grüß ihn auch!“ Er konnte nicht weinen.

„Er hat g’sagt: hundert Mark hätten wir auch noch für dich aufbringen können.“

„So“, sagten seine Lippen.

„Gelt, deswegen hast du’s nicht getan,“ sagte sie tonlos. „Er war ja nie sehr g’scheit, solang ich ihn auch kenn . . . Ich glaub, es ist halt dein Schicksal. Es konnt halt nicht anders sein. Denn ich weiß doch, daß du nicht schlecht warst . . . Aber an Gott glaub ich nimmer. Hab gebetet. Umsonst.“ Auf die Handrücken tropften ununterbrochen langsam Tränen, die sie manchmal mit der Handfläche abwischte, ohne hinzusehen.

„Die Leute sagen, oft täts was helfen, wenn man sich vor den Wagen des Kaisers wirft.“