Er beobachtete ihr Weinen und wartete darauf, daß sich wieder der Tropfen von den Wimpern löse und falle, wunderte sich, daß ihre Stimme nicht gebrochen klang, und dachte, sie hat sich schon daran gewöhnt, während des Weinens zu sprechen.
„Aber der Kaiser ist verreist. Ganz weit in Dänemark . . . Das ist im Norden.“
Allmählich hatte sich im Dichter der das Weinen verhindernde Druck verteilt.
„Einen Brief hab ihm ich geschrieben . . . Aber ob ihn der Kaiser kriegt hat?“
Da fiel sein Gesicht in ihren Schoß. Die angesammelten Tränen vieler Jahre kamen in Fluß, getrieben und gestoßen von brüllendem Heulen.
Einige Male strich sie schnell über seinen Hinterkopf und hielt sofort wieder den zuckenden Körper fest.
Den beiden gegenüber lehnte der Wärter an der Wand, die Hände auf dem Rücken, und sah zu Boden.
„Ganz kahl geschoren hast du dich?“ sagte sie und streichelte im Kreis.
Mit einem Ruck hob er das verheulte Gesicht: „Geh jetzt, Mutter, geh jetzt!“ Und stand auf.
„Dann geh ich halt“, sagte sie erschrocken und sah ihn an.