„Jetzt sterb ich halt auch . . . Ich hab ihn doch geboren. Hätt ihn nicht in die Welt setzen dürfen, Herr.“

„Sieh mal an,“ sagte er glanzvoll, „wie wunderbar sie das Problem der Verantwortung löst.“ Wieder lief ihm ein Gefühl durch den Körper, das den letzten Widerstand auflöste. Dann wurde er ruhig.

Während sie die Eier aß, schrieb er auf einen Zettel, kein Mensch habe das Recht, einem Menschen den Kopf herunterschlagen zu lassen. Das sei ihm furchtbar klar geworden. Er wolle mit dem Bewußtsein, einem Menschen den Kopf heruntergeschlagen zu haben, nicht weiterleben.

Sie war aufgestanden. Und hatte ihr Säckchen in die Hand genommen. „Was mach ich denn? Was mach ich denn?“ fragte sie vor sich hin.

Er beauftragte seinen Diener, die Mutter zur Bahn zu bringen.

Unter der Tür sagte sie: „Och, du lieber Gott. Was mach ich denn . . . krieg ich denn den Zug noch?“

„Sie wirds vielleicht weiterschleppen“, sagte er, als sie gegangen war, „noch ein paar Jahre“, und ging zum Giftschrank, nahm die Morphiumschachtel heraus.

Gedankenabwesend öffnete er den Brutofen, in dem er Thyphusbazillen züchtete, und schraubte, als er auf dem im Ofen hängenden Thermometer bemerkte, daß die Temperatur zu hoch war, noch die Gasflämmchen kleiner.

Er fand keinen zweiten Löffel, säuberte den, mit dem die Mutter Eier gegessen hatte, ließ Wasser in das Glas laufen. Automatisch kontrollierte er noch einmal die Temperatur im Brutofen, nahm eine Zuchtplatte heraus und betrachtete das gefärbte Bakterienbild, schraubte die Gasflämmchen wieder um eine Kleinigkeit höher.

Als er dann, mit der Schachtel in der Hand, vor sich hin sah, empfand er nicht das leiseste Körpergefühl, gab mit dem Löffel das Morphium ins Wasser, trank es aus und setzte sich in den Lehnstuhl.