„Morgen . . . früh?“
„Essen Sie, das ist Blumenkohlsuppe. Meine Frau hat sie gekocht.“
„Blumenkohlsuppe.“
„Essen Sie! Die ist gut.“ Der Wärter ging.
Der Dichter sah auf die Suppe hinunter, zum Fenster, auf die Suppe hinunter. „Die esse ich morgen früh“, sagte er und lachte schallend. Entsetzt schnellte er herum: „Was! War da jemand?“ Da zog er den Kopf ein, stand eine Weile so, ohne zu atmen, und brüllte mit der Luft, die endlich aus seinem Munde fuhr: „Ich werde nicht irrsinnig!“ stellte sich mit dem Gesicht gegen die Wand und sagte zu sich und zur Wand: „Ich werde nicht irrsinnig. Ich werde nicht irrsinnig.“ Seine Kinnbacken mahlten.
Mit all seiner Kraft, mit angespannten Muskeln zwang er sich, die Blumenkohlsuppe zu essen.
8
Es war drei Uhr früh. Für sechs Uhr war die Hinrichtung angesetzt.
Die Zelle war schmal wie ein Gang. Die Machtlosigkeit hatte den Dichter an die Mauer gestellt. Bauch, hochgestreckte Arme und die gespreizten Hände gegen die Mauer gepreßt, den Kopf tief im Nacken, sah er empor, riß die Arme herunter, schnellte herum, sank in Kniebeuge und begann zu schreien.
Den Körper allmählich aus der Kniebeuge in die Höhe drückend, schrie er immer lauter, ging zum Brüllen über, brüllte einen Ton, solang ein Atemzug reicht, wild, jammervoll, und brach jäh ab, gereckt auf den Fußspitzen stehend, die Finger fast bei der Decke.