Der Dichter dachte gereizt, vorhin hat er über mich verfügt. „Haben Sie schon einmal darüber nachgedacht, weshalb Ihre Existenz so großartig glatt ist, während Millionen Menschen ihr Leben in Dreck und Elend verbringen müssen?“
„Oho!“
— Er verschanzt sich hinter sein lustiges Oho. „Und dabei sind Sie vielleicht noch besser als viele andere. Aber Ihr Oho genügt nicht . . . Glauben Sie nicht, daß man hin und wieder auch von diesen Dingen reden kann, ohne deshalb ein tiefer August sein zu müssen?“
Der Doktor senkte den Blick vor dem erbitterten Gesicht. „Natürlich traurig, daß es so viel Elend auf der Welt gibt.“
„Denken Sie darüber nach. Wer das nicht tut, ist ja wirklich ein Schurke.“
„Aber ich bitte Sie, Herr Seiler!“
Der Dichter trat ganz nahe an den Doktor heran. Sein Gesicht verzog sich in Selbstverachtung. „Ich empfinde die Not der Allgemeinheit vielleicht nur deshalb, weil ich selbst aus Not ein Schwein geworden bin . . . Materielle Not verursacht Seelennot, versaut die Seele.“
„Sie sind ja ein recht interessanter Nachbar“, versuchte der Doktor, sich aufzuraffen.
„Weil ich Ihnen erläutert habe, wieso wir beide Schweine sind? Ich, weil ich mein Leben lang alle möglichen demütigenden Schweinereien beging, um nicht zu verhungern, und Sie, weil Sie nicht darüber nachgedacht haben, weshalb zahllose Menschen vor Elend krepieren oder zu Halunken werden? . . . Es hat kein Mensch das Recht, eine glatte Existenz zu haben.“
„Sie sind ja ein recht interessanter Nachbar.“