Wie immer nach solchen Erlebnissen, schien es ihm unmöglich zu sein, Würde in sein Leben zu bringen, und der Ekel vor sich selbst versetzte ihn in letzte Hoffnungslosigkeit.
„Wenn Sie nicht bezahlen, müssen Sie morgen ausziehen. Herr Doktor Wiener hat sowieso die Kammer mitgemietet“, schrieb die Wirtin.
Vor Hunger begann sein Magen wieder zu schmerzen. Es wurde ihm übel vom Geruch der alten Wäsche; er schob sie unters Bett.
Beim Schein zweier Kerzenstummeln versuchte er zu arbeiten.
Der Wunsch nach des Doktors Kognak quälte ihn. Während er schrieb, beschäftigte ihn ununterbrochen die Frage, von wem er etwas Geld bekommen könne für die Miete. Es fiel ihm nur das Straßenmädchen ein, das er einmal kennen gelernt hatte.
Ohne daß er sich dessen bewußt geworden war, hatte er auf den Manuskriptrand geschrieben: Kann denn ein Mensch sich von einer Hure Geld geben lassen? Hurengeld. Nachtgeld. Beinegeld. Schoßgeld. Männer, Männer — Schweinegeld . . . von den guten Mädchen?
„Geben würde sie es mir . . . Sie ist ja ein gutes Luder.“
„Wie wohl der gesunde Menschenverstand darüber denkt“, flüsterte der Dichter und trat zur verschlossenen Tür. „Herr Doktor! Hören Sie! Herr Doktor! . . . Glauben Sie, daß ein Mann, der noch etwas auf sich hält, von einer Hure Geld annehmen kann?“
Der Doktor fuhr im knarrenden Bett in die Höhe und schrie erschrocken: „Hallo! . . . Ist wer da!“
„Glauben Sie, daß ein anständiger Mensch sich von einer Hure Geld schenken lassen kann?“