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Um acht Uhr früh kam er an, verstört, mit brennenden Augenlidern.
Morgennebel und Dämmerung hingen noch in den Gassen. Der Dichter sah nach Osten, wo zart und strebend die Morgenröte stand.
Geradeswegs ging er in die Lochgasse. Der Gedanke hatte sich in ihm festgesetzt und alles andere verdrängt: Lehrer Mager müsse sein Unrecht einsehen und ihn um Entschuldigung bitten. Das würde ihm die Kraft zur Reinigung geben, zu einem neuen, rückgratvollen Leben.
Und als er die steile, muffige Treppe hinaufstieg, erlebte er die Versöhnung im voraus; er dachte, der Lehrer, der schon damals erwachsene Söhne gehabt hatte, werde jetzt ein weißhaariger, gebeugter Mann mit der Einsicht und Güte des Alters sein, mit dem sich auszusöhnen leicht fallen müsse.
Die alte Wirtschafterin ließ ihn ins niedere, mit geerbten Familienmöbeln vollgestopfte Arbeitszimmer eintreten.
Und der Dichter blickte entgeistert zum Lehrer hin, der am Schreibtisch stand, aufrecht wie ein Pfosten, zäh, mit noch dunkelrotem Haarkranz: vollkommen unverändert.
Die Mundwinkel voller Wut und hämisch in die Wangen zurückgezogen, las er den Aufsatz eines Schülers. Auf dem Schreibtisch befanden sich zwei Stöße blauer Schulhefte, korrigierte und unkorrigierte.
Der Dichter stand im Dunkel an der Tür. Der Lehrer hatte ihn noch nicht bemerkt. Er setzte sich und korrigierte mit roter Tinte den Aufsatz, wobei sein Gesicht in dem Gemisch von Wut und hämischer Freude erstarrt blieb, vom Schein der Petroleumlampe getroffen.
„Der Teufel. Der Teufel.“