Zwei Schulknaben waren hinter ihr eingetreten. Sie blieben an der Tür stehen.

„Guten Morgen, Herr Lehrer, wir wollen die Hefte abholen“, sagte der Größere, schulmäßig singend.

Und der Kleine, der neben dem andern nur bis zur Brust reichte, nahm, unter dem starren Blick des Lehrers errötend, erst jetzt die Mütze ab. Langsam zog der Lehrer den Blick zurück. „Einen Moment“, sagte er zum Dichter.

Vorsichtig, und mit allen Sinnen aufnehmend, begann der Kleine sich umzusehen; er war zum ersten Male bei seinem Lehrer in der Stube.

Wie wenn er sich als Knaben erblickte, sah der Dichter mit tiefer, schmerzlicher Rührung den Kleinen an, die Augen, denen Angst den Blick bestimmte, den schon vom Leid gezeichneten Mund, die zartmodellierte, schneeweiße Kinderstirn.

Da lächelte der Kleine zum Dichter hin; augenblicklich verschwand das Lächeln, als der Lehrer sich bewegte.

Und der Dichter hatte das bestimmte Gefühl, daß die Seele gelächelt hatte und in Schrecken erstarrt war.

Das Kratzen der Feder verschärfte die drückende Stille.

Der größere Junge empfand sie nicht; er schneuzte sich laut und stand dabei fest und sicher auf seinen nach innen gerichteten Füßen.

Der Lehrer erhob sich, ebnete den Heftestoß, stellte ihn senkrecht. Der große Schüler warf seine Mütze resolut unter die Achselhöhle und trat aus dem Dunkel in den Lichtkreis. Zögernd und sehnsüchtig näherte sich auch der Kleine.