Aus der Schreibtischlade nahm der Lehrer zwei Himbeeräpfel, gab einen dem großen Schüler. Und als er den Kleinen erkannte, entstand in seinem Gesicht wirkliches Staunen, das langsam zum hämischen Lächeln wurde. „Ah . . . der Weigand kommt, die Hefte holen?“
Energisch legte er den zweiten Apfel wieder in die Schreibtischlade zurück, suchte das eben korrigierte Aufsatzheft des Kleinen aus dem Stoß heraus. „Da geh mal her!“
Das Herz des Dichters begann rasend zu klopfen.
„Du . . . schämst dich also nicht, auch noch zu mir zu kommen?“
Der Kleine verschluckte den Speichel.
Sein mit roter Korrigiertinte verschmiertes Heft lag geöffnet auf dem Schreibtisch. Wortlos blickte der Lehrer einige Male vom Heft zum Schüler, streckte die gekrümmte Hand aus. Sein Blick zwang den Kleinen, das Ohr der Hand entgegenzuneigen.
Mit einem Ruck zerrte er den Schülerkopf zum Heft und stieß des Kleinen Gesicht darauf.
Vorgebeugt blickte der Dichter auf diese Szene seiner Jugend, eiskalt, als wäre sein Leben in des Kleinen Körper übergegangen.
Immerzu stieß der Lehrer des Schülers Gesicht aufs Heft und rief dabei: „Regen mit ch! Essen mit ß! Keule mit äu! Und mit zwei mm schreibst du Amen? Amen!“
Er schleuderte ihn zur Wand. Der Kopf schlug gegen die Türvertäfelung. Der Kleine richtete sich wimmernd auf. Sein furchtbares, leises Weinen klang in die Stille. Der größere Schüler stand ruhig wie ein Soldat.