„Mütterchen“, sang er zart, und in seinem Gesicht arbeitete Qual gegen Lächeln.
„Warum hast du mir diesen Schrecken eingejagt? Und ich dumme Frau hab dir geglaubt . . . Jetzt, jetzt, jetzt mußt du was essen.“ Sie huschte in die Küche.
Und er lautlos aus der Wohnung und, von der Straßenmitte weg, dicht an den Häuschen entlang.
„Aber ausgesehen hast du, wie wenns wirklich wahr wär“, rief sie aus der Küche. Und trat, in der Hand den mehlbestaubten Kochlöffel, ins Zimmer. „Weißt du, so bin ich in meinem ganzen Leben nicht erschrocken“, sagte sie lächelnd. Und richtete den Blick suchend ins Leere.
Während der Dichter vor dem Postamt stand.
Die Welt hatte sich für ihn vollkommen verändert. Sein bisheriges Leben war scheinbar von ihm fortgezogen. Es war ihm, als stünde er plötzlich auf der anderen Seite des Planeten. Schwere, ganz neuartige Gefühlsklumpen waren in ihm entstanden, mit denen er sich auseinanderzusetzen hatte.
Nur das Erlebnis mit dem Straßenmädchen griff aus seinem alten Leben herüber. Eine Art Abrechnungsbedürfnis bestimmte ihn, ins Postamt einzutreten und die zwanzig Mark nach Berlin an das Mädchen zu senden.
Am Nebenpult sagte ein junger Bursche: „I streun jetz e bißle am Wasser rum.“
Da wußte der Dichter unvermittelt, daß er ein verlorener Mann war, und sah irr dem Burschen nach, der sorglos pfeifend das Postamt verließ.
Alle fünfzehn Polizeidiener und der Wachtmeister des Städtchens standen in der Bahnhofshalle, um den Mörder abzufangen. Weiber, still gewordene Kinder ließen sich nicht wegjagen. Die verstörte Haushälterin des Lehrers stand beim Wachtmeister.