„Auch wegen meiner Mutter.“

„Aber durch einen hübschen Zufall waren sämtliche fünfzehn Polizisten auf dem Bahnhof“, sagte der Richter zu sich selbst.

Und der Dichter sagte traumhaft: „Ich wollte gar nicht zum Bahnhof. Auf den Berg wollte ich steigen und noch einmal auf die Stadt hinuntersehen . . . Und dann immer weiter wandern.“

Das notierte der Richter und ließ den Dichter abführen. „Aber auch ein Glück, daß er zum Bahnhof zu diesen fünfzehn Kamelen gelaufen ist“, sagte er zum Schreiber und begann, das Protokoll für die Reinschrift zu diktieren, „denn sonst könnten wir diesen kaltblütigen Erzhalunken jetzt auf der ganzen Welt suchen . . . Solche Gummiseile fehlten uns gerade noch! Was meinen Sie?“

In der Zelle stand der Dichter reglos an der Mauer. Seine Gedanken und Gefühle umkreisten die Mutter; seit der Verhaftung litt er nur unter der Qual seiner Mutter.

Der Wärter horchte neugierig am Beobachtungsfenster der Zellentür, als der Dichter vor sich hin sagte: „Welch hartes Herz . . . hartes Herz muß Christus gehabt haben, da er rufen konnte: Was geht mich dieses Weib an, ich kenne es nicht.“

Vergebens versuchte der Dichter, sich zu dieser Selbstlosigkeit um aller Menschen willen emporzuzwingen. Schweifte er auch nur eine Sekunde lang von diesem Gedankengang ab, sank er sofort wieder in die Einzelbeziehung — in die mächtige, dunkle Blutliebe zur Mutter zurück.

„Blutketten sind grausam schwer zerreißbar, Blutketten“, flüsterte er. Und sehnte sich mit der ganzen Kraft seines Wesens nach Befreiung von diesen Gefühlsfesseln, um ganz allein und bereit sein zu können.

Seine dumpfe Liebe ließ es nicht zu. Aus ihr heraus sagte er: „Wenn die Mutter stürbe . . . vorher, das wäre wunderbar.“

Diesem Gedanken hing er nach, dachte ihn zu Ende. Sein Gesicht wurde alt und klar.