„Sie wollen uns also nicht sagen, weshalb Sie es getan haben?“
„Doch, alles! Es ist nur sehr schwer.“ Er wandte sich um zum überfüllten Zuschauerraum, wieder den Richtern zu. Da verließ alle Kraft sein Gesicht: die Augen sahen die Mordszene. „Wenn das meine Hände nicht getan hätten!“ Seine Lippen waren weiß geworden. Den Oberkörper zurückgebogen, blickte er auf seine Hände hinunter.
Er macht Theater, dachte der Staatsanwalt.
Winzig und verloren stand der Dichter, erdrückt von der machtvollen Feierlichkeit.
Ganz unvermittelt veränderte sich seine Erscheinung vollkommen: er sah aus, als stehe er allein in seiner Kammer, grübelnd über eine Idee. Sein Gesicht belebte sich. „Ich leide unter diesem entsetzlichen . . . Unglücksfall ungefähr so, wie ich als Kind gelitten habe unter den qualvollen Sonntagsspaziergängen mit der Familie.“
„Wie denn! Einen Spaziergang kann man doch kaum mit einem Mord vergleichen.“ Der Vorsitzende blickte erstaunt von einem Beisitzer zum andern.
Der Dichter erwiderte, mit einem eigensinnigen, verbohrten Gesichtsausdruck: „Man muß das miteinander vergleichen. Nicht nur diese Spaziergänge . . . mein ganzes Leben. Es gipfelt ja in diesem Unglücksfall.“
Der Vorsitzende lehnte sich zurück. „Einen Unglücksfall nennen Sie Ihre Tat?“
„Man könnte ihn mit dem Bergrutsch vergleichen, den ich zufällig einmal mit angesehen habe.“ Der Dichter sprach langsam und schien die Worte erst vom Boden abzulesen. „Das Erdinnere hat eine notwendige Bewegung gemacht . . . Bewegung gemacht, wie aus Schlaf erwachend, und vom niederstürzenden Geröll sind einige Menschen erschlagen worden . . . Bei mir verursachte die Summe aller qualvollen Erlebnisse, von denen das eine zweiundzwanzig Jahre lang in mir geschlafen hat, einen plötzlichen, unabwendbaren Haßausbruch . . . und dabei ist der Lehrer umgekommen. Wie bei einem Erdbeben, das die Stadt einreißt und die Bewohner begräbt.“
„Der Lehrer ist also nur verunglückt, nach Ihrer Ansicht? . . . mit der wir hier nichts anzufangen wissen . . .“