„Ja. O Gott! Es ging nicht anders. — Womit soll ich denn deine schönen Schuhe putzen? Wir haben nur unsere Fettglanzwichse.“
„. . . Jetzt muß ich dich aber doch fragen, Mutter. Sag, bist du wirklich so viel kleiner geworden?“ Er sah verwundert hinunter auf ihren weißen Scheitel.
Und sie lächelnd auf zu ihm. „. . . Ich war doch nie größer.“
Und das Leben könnte so schön und hell für alle sein, dachte der Dichter. — Arbeit, Freiheit. Eine Frau mit weißem Gesicht und dunklen Augen. Das Schlafzimmer . . . schön beleuchtet. „Hast du’s erfahren, Mutter? Einsperren wollten sie mich, wegen meines Artikels.“
„Ja, ich habs gelesen . . . Ich hab ihn aber verstanden. Ich sag dir, ich hab deinen Artikel ganz gut verstanden.“
Unversehens wurde der Dichter heiter. „Sie nannten mich einen Weltverbesserer.“
„Ja, ja . . . Wenn der Vater nächstes Jahr wirklich die drei Mark Wochenlohn mehr bekommt . . ., dann gehts uns auch besser. Dann wirds schön sein.“
„Sechzig ist der Vater jetzt?“
„Oh! ins Siebenundsechzigste geht er.“
Guter Gott, dann wirds schön sein, glaubt sie. Immer noch Illusionen, immer noch, dachte der Dichter. Und sein Leben lag entlarvt und gemein vor ihm. „Dann wirds schön sein“, sagte er zärtlich zur Mutter, in plötzlicher, trauriger, ungeheurer Liebe, worauf die Mutter beglückt ihn neben sich aufs Kanapee zog.