Der Vorsitzende sah fragend den Verteidiger an, der den Blick senkte. Und plötzlich auf einen Papierstoß schlug: „Ich habe hier noch andere Arbeiten von ihm . . . Grandiose Dichtungen!“
Es wurde gelacht. Der Dichter errötete.
Und der Verteidiger sagte, er wolle keineswegs die Verhandlung hinausziehen durch Verlesen. „Aber ich muß darauf bestehen, daß er gearbeitet hat. Jawohl!“
Der Vorsitzende lächelte ein wenig.
„Sie hatten am Abend vor der Tat ein längeres Gespräch mit dem Angeklagten? Sagen Sie uns möglichst genau, was er gesprochen hat.“
Doktor Wiener schwieg: er hatte damals den Dichter nicht ganz verstanden.
Vorsitzender und Staatsanwalt fragten abwechselnd und wären zu keinem Resultat gelangt, wenn nicht der Dichter selbst in unmittelbarer Aufwallung dazu geholfen hätte, so daß plötzlich der Satz durch den Saal klang: „Seit Jahrtausenden verlangt der Mensch brüllend, stinkend demütig, stöhnend, irrsinnig, daß er atmen dürfe, ohne unnötige Qualen.“
Sie sahen ihn erschrocken an. Und der erleichterte Doktor Wiener konnte ergänzen: „Ich hasse die Repräsentanten all derer, die das verhindern.“
Der Verteidiger las einen ähnlichen Satz aus einem Manuskript des Dichters vor, bezweckte nichts damit, denn das vom Staatsanwalt klug und schlagfertig durchgeführte Geplänkel endete mit dessen nachsichtigem Lächeln und sichtbarer Verwirrung des Offizialverteidigers.
Der Vorsitzende fragte: „Sind Sie etwa der Meinung, Lehrer Mager sei so ein Repräsentant gewesen?“