Kein Mensch im Saal konnte sich erklären, auf welche Weise der Kleine an diese Stelle gelangt war. Erschrocken sahen alle zu, wie der Dichter die Hände auf des Kleinen Kopf legte, daß die Ketten vor dessen Gesicht hingen.
Der Dichter sagte: „Ich habe da einen Zeugen, daß der Lehrer ein Repräsentant der Seelenzerstörer war. Dieses Kind wird ein Elender bleiben, sein Leben lang . . . Betrachten Sie mich als sein älteres Abbild.“
Der Kleine, mit den Ketten vor dem schneeweißen Gesicht, rührte sich nicht, bis ihn der Gerichtsdiener auf den Befehl des Vorsitzenden hin am Arme vom Dichter wegführte wie einen Gefangenen.
Im Zuschauerraum wurde es wieder ruhig, als der Vorsitzende den Dichter sachlich zurechtwies und der Staatsanwalt des Ermordeten Leben ausführlich schilderte, ihn zum Schluß einen sich aufopfernden, pflichttreuen Mann nannte.
Noch während dieser Rede hatte der Dichter die gefesselten Hände nach dem seitwärts stehenden Tischchen ausgestreckt. Und als der Staatsanwalt geendet hatte und der Dichter immer noch schwieg, mit deutenden Händen, folgte der Vorsitzende der Richtung, nahm den schon ganz verrunzelten Himbeerapfel, der beim Verhafteten gefunden worden war, vom Tisch und fragte, was damit sei.
„Der wird eine furchtbare Wirkung haben, dieser nicht geschenkte Apfel. Das ganze Erlebnis trägt das Kind im Gehirn. Und noch nach zwanzig Jahren wird es seine Handlungen mitbestimmen.“
„Sehen Sie, das können wir doch heute noch nicht kontrollieren.“ Der Vorsitzende machte eine Handbewegung, als habe er dem Dichter ganz überflüssigerweise ein Geschenk gemacht. „Das hier ist nur ein Apfel . . . Weshalb haben Sie den eigentlich eingesteckt?“ Seine fünf Fingerspitzen hielten den Apfel.
„Oh, den wollte ich haben!“ sagte der Dichter rasch, mit sonderbar funkelnden Augen.
Im Zuschauerraum wurde gelacht.
„Als ich ihn einsteckte, dachte ich — jetzt hat ihn der Kleine doch bekommen. Ich dachte — jetzt habe ich das Glas Milch doch bekommen.“