„Besuchen unvorsichtigerweise Ihre Eltern, ein Kaffeehaus und, wie sich vorhin herausstellte, den Optiker, nicht wahr?“

„Ja.“

„Dieser unliebsamen Zeugen wegen reisen Sie, obwohl Sie schon vor des Lehrers Tür standen, mit dem nächsten Zug wieder zurück nach Berlin.“

„Sie wußten nicht, daß der Angeklagte verreist war?“

Keine Ahnung habe sie gehabt, antwortete die Wirtin aufgebracht, sah den Dichter an, den Vorsitzenden: „Und mein Herr Doktor hatte ja auch die Kammer mitgemietet.“

„Nachdem Sie Ihrer Wirtin beigebracht hatten, gar nicht verreist gewesen zu sein, gehen Sie zu dem Mädchen, lassen sich zwanzig Mark für die Reise geben und fahren in derselben Nacht wieder in Ihre Heimatstadt, schleichen — diesmal ohne Zeugen — ungesehen durch die noch dunklen Gassen direkt in die Lehrerswohnung. Eine Stunde später wird der Lehrer vor seiner durchwühlten Schreibtischlade gefunden. Das geraubte Geld bei Ihnen . . . Was können Sie dazu sagen?“

Während der ganzen Rede hatte der Dichter den Vorsitzenden in kaltem Entsetzen angeblickt; nur stockend konnte er hervorbringen: „Es ist alles so weit entfernt vom Tatsächlichen, was Sie und der Herr Staatsanwalt von mir sagen, daß ich kein Wort mehr mitreden kann.“

„Sie hatten offenbar weitaus mehr vorzufinden erwartet, bei Ihrem Lehrer, der als sparsamer, vermögender Mann bekannt war.“

Da stemmte der Dichter die Handballen unter die Achselhöhlen, daß die Kette über seiner Brust spannte, brüllte: „Ihr lügt!“ und stieß dabei die Hände nach vorn, wandte sich um zu den vielen Hunderten, wie auf einem Riesenpräsentierteller liegenden Gesichtern: „Alle Menschen, die im Saale sind, müssen bemerken, daß das Gericht nur eine Seite sehen will und alles dahin zusammenträgt.“ Und zum Gerichtshof: „Man will mich viel schlechter machen, als man selbst glaubt, daß ich bin. Man lügt! Und mein Verteidiger verachtet mich.“

Der Vorsitzende hatte die Hand erhoben. Der Dichter sah an ihm vorbei, lodernd zum klarblickenden Auge des Geschworenen: