„Ja“, sagten nacheinander einige sinnend. Dann schwiegen wieder alle.

Ein Alter stand auf, öffnete das Fenster der Sonne, setzte sich sofort wieder auf den steifen Stuhl, und hinter seinem kahlen Kopfe breitete der unbewegliche Adler an der Lehne wieder die hölzernen Flügel aus. „Einen Menschen ermorden,“ sagte der Kahle, „hundert Mark rauben und einen Teil davon nach der Tat an jemand senden — auch dieses Moment spricht . . . psychologisch betrachtet, glatt dafür, daß die ganze Sache lange vorher überlegt war . . . Sofort nach der Tat, nota bene!“

Man nickte. Der Zigarrenhändler sagte etwas. Und auf Befragen des Obmanns hin wiederholte er: „So ein schüchterner Mensch!“

Der Einäugige sagte: „Die Sache stimmt nicht“, und lief gleich wieder weiter umher, unruhig wie ein Mann, der sich großer Verantwortung bewußt ist, aus der Berufstätigkeit herausgerissen und plötzlich vor eine Sache gestellt wurde, die er nicht übersieht. „Man brauchte Zeit . . . viel Zeit.“

Alle blickten interessiert, der kahle Psychologieprofessor erstaunt auf ihn.

Der Einäugige sagte noch einmal: „Vorher überlegt? Lange vorher? . . . Nein.“

Da fügten die anderen den Beweis dafür, daß es kein Affektmord sei, schnell und eindeutig zusammen.

„Davon ist nichts wegzudeuteln“, schloß der Kahle bestimmt, zuckte bedauernd die Schultern, sah den Einäugigen fest an.

Der rief: „Das ist es ja. Weiß der Teufel! Aber noch keine fünf Minuten lagen zwischen Affekt und Tat.“

„Ja, will ich schon erklären. Man muß diesem . . . Dichter doch glauben, daß er gegen seinen Lehrer etwas hatte. Pardon, ihn hat dieses Jugenderlebnis eben angegriffen. So etwas gibts. Einen anderen hätte es vielleicht kalt gelassen. Auf jeden Fall kann man das ebenso annehmen wie das Geldmotiv . . . glaube ich. Sitzt er bei seinem Lehrer in der Stube . . . kommen die zwei Schüler — die Geschichte kennen Sie ja —, er muß die Prügelei mit ansehen.“ Der Einäugige lief beim Sprechen fortwährend umher; die Blicke der Geschworenen folgten ihm von Ecke zu Ecke. „Und diese Szene, kann man schon glauben, erregte seinen Haß. Wenn . . . jetzt die Sache vor sich gegangen wäre . . . sofort, dann hätten wir einen Affektmord.“