Erstaunt sahen die Geschworenen den Einäugigen an, weil er sich an die Stirn schlug.
„Aber dieser Mensch, ich möchte sagen . . . sammelt seinen Zorn, hält dem Lehrer erst noch den bewußten Schulausflug vor und bringt ihn dann erst um. Also überlegt. Überlegt! . . . Daran ist vielleicht nur seine verfluchte Blutarmut schuld.“
„Bitte, gewiß. Ich, als Arzt, weiß das. Ein vollblütiger Mensch greift gewöhnlich zu im Affekt. Zu viel Kopf, Gedanken. Weiß der Teufel . . . zu viel Überlegung!“
Der Obmann sagte: „Also auch in diesem Falle wäre es kein Affektmord. Das meinen Sie doch, wie?“ Alle stimmten ihm bei.
Widerstrebend auch der Einäugige. „Wenn er es auch nicht wegen des Geldes getan hat . . . Mord bleibt Mord. Irrsinnig ist er nicht.“
Der kahle Psychologieprofessor wandte sich von jetzt ab achtungsvoll fast nur an den Einäugigen.
Der lief umher, die Hände auf dem Rücken. „Hätte er nur ein viertel Pfund Blut mehr in seinem ausgemergelten Körper gehabt, dann bekäme er ein paar Jahre und hätte Zeit, sich über seine Ursachentheorie klar zu werden.“ Er sah den Obmann an: „Jetzt — Kopf. Ich sehe keine andere . . . gesetzliche Möglichkeit. Ich sehe keine. Sehe keine!“ und lief weiter.
Niemand wußte etwas zu sagen.
„Wissen Sie denn auch, mit wem Sie gefahren sind?“ unterbrach ein gedankenabwesender Geschworener das Schweigen. Er war viel jünger als alle anderen. Sie sahen ihn verständnislos an.
Er errötete, lächelte ein wenig und erzählte eine Geschichte. Damals sei er noch Reisender gewesen in seiner Branche. „Da mußte ich meine Touren meistens zu Fuß machen.“