Unwillkürlich hörten sie ihm zu. Der Einäugige lief mit gesenktem Kopf umher.
„Da holte mich ein sonderbarer, ein ganz sonderbarer Wagen — schon mehr ein Karren — auf der Landstraße ein. Ich war müde, dunkel wurde es auch schon. Kurz und gut, der Fuhrmann ließ mich aufsitzen. Der pfiff manchmal, leise und unheimlich, und kitzelte dabei sein schwarzes Pferdchen mit dem Peitschenstiel beim Nacken. Nun, vor der Stadt stieg ich ab . . . ‚Wissen Sie denn auch, mit wem Sie gefahren sind?‘ fragt er mich.
‚Ich bin der Scharfrichter.‘
Ich sage Ihnen, meine Herren . . .“
„Hätte er es gleich getan, im ersten Zorn . . . Zu wenig Blut“, unterbrach der Einäugige.
Der junge Geschworene war beleidigt. „. . . Da brauchte er ja nur ein ganz anderer Mensch zu sein, dann würde er jetzt vielleicht in einem . . . in einem Postbureau sitzen und gar nicht daran denken, einen Menschen umzubringen.“
Einige lächelten. Der kahle Psychologieprofessor nicht. Auch die anderen wurden gleich wieder ernst und fühlten momentan einen schwereren Druck in der Brust. Der junge Geschworene saß vorgebeugt, sagte langsam: „Es ist wirklich nicht leicht.“ Und als er sich seufzend aufrichtete, setzten sich auch die anderen gerader.
„Dann säße er vielleicht in einem Bureau . . . wenn er ein anderer Mensch wäre, wenn er . . . in anderen Verhältnissen aufgewachsen wäre, wie zum Beispiel . . . wir.“ Der Einäugige blieb zum ersten Male stehen, an der Stirnseite des Tisches, gegenüber dem Obmann. „Der . . . der Dichter meint, er sei so geworden, wie er ist, wegen dieser Ursachen. Sei ihnen gegenüber ganz machtlos . . . also schuldlos.“
Der Obmann sagte: „Auf dieses Thema sollten wir . . . sollen wir uns denn darauf einlassen? Verzeihung, was meinen die Herren?“ schloß er ängstlich.
„Kaum! Unmöglich!“ wurde gerufen. Die meisten machten empörte Gesichter. Einer rief wütend: „Das Ganze ist ja Unsinn“, und sah sich erschrocken um, weil er wütend geworden war.