Oft stand er mit einem Ruck. Die Augen halb geschlossen, umfaßte er einen Punkt des kommenden Revisionsprozesses, lief weiter, unaufhörlich. Tagelang.

Nur in seinen Träumen wurde das Urteil entsetzlich an ihm vollstreckt. In den folgenden Nächten wieder. In einer Nacht siebzehnmal; dabei sah er auf dem Dache des Justizgebäudes als Lichttransparent das Wort „Training“ verlöschen — aufleuchten.

Sofort nach dem Erwachen fuhr er in die Sträflingskleider. Und rannte beschäftigt und ausgefüllt auf und ab.

Kam ihm, wenn er eben fensterwärts schritt, von der Tür her der Gedanke in den Rücken, in Wirklichkeit hingerichtet zu werden, befand er sich augenblicklich mitten im Revisionsprozeß. Und verteidigte sich glänzend, siegte, und der Vorsitzende rief erstaunt: Weshalb haben Sie das denn nicht schon das erste Mal gesagt? Wenn die Sache so liegt, ja dann — — —. Der Dichter war nachsichtig zu den Richtern, erklärte ihnen alles.

Aber als der Verteidiger eintrat, wagte der Dichter nicht, ihn zu fragen.

Er fragte ihn noch immer nicht.

„Wie zu erwarten war, wurde die Revision verworfen.“ Der Verteidiger sagte auch noch: „Es tut mir leid.“

„So?“ sagte der Dichter.

„So?“ sagte er, nachdem der Verteidiger schon gegangen war, und zuckte dabei mit dem Kopf nach vorne.

Entkräftet saß er auf der Pritsche. „Das glaube ich nicht“, sagte er und zog den langen Speichelfaden wieder in den Mund zurück. Dann zog er ihn nicht mehr zurück.