„. . . Flaschenzüge?“
„Aber gewiß, Flaschenzüge! Nun? . . . Leo Seidel, sagen Sie es ihm.“
„Zum Beispiel am Neubau. Da kann ein einzelner Arbeiter mit einem Flaschenzug . . .“
„Mit Hilfe!“
„. . . mit Hilfe eines Flaschenzuges Lasten in die Höhe winden, die zehnmal schwerer als der Arbeiter sind. Infolge der Übersetzung!“
„Infolge der Übersetzung“, sollte Jürgen wiederholen, hatte aber „Überrumpelung“ gesagt.
Die ganze Klasse durfte lachen. Lachte noch auf dem Nachhausewege, wo alle sich von Leo Seidel, der vielleicht schon morgen einen Handwagen durch die Stadt schieben mußte, abgesondert hielten.
Auch Jürgen, gelähmt, wagte nicht, ihn zu begleiten. Nur in Gedanken trat er mit kühner Ritterlichkeit zu ihm. ‚Ich fürchte die Meinung der andern nicht.‘ Ließ sich von Seidel verehren.
Beim Mittagessen beachtete ihn die gefährlich schweigende Tante nicht. Schickte das Dienstmädchen, mit dem Befehl, Jürgen habe den Brief am nächsten Morgen dem Herrn Professor zu übergeben.
Erst nachmittags konnte Jürgen so viel Entschlußkraft finden, Seidel zu besuchen. In der Kellerstube stand der Armeleutegeruch, der das Vorhaben des schwindsüchtigen Briefträgers, den Sohn studieren zu lassen, als schwer ausführbar erscheinen ließ. Seidel saß still am Fenster und sah hinaus in seiner Kindheit stinkenden Hof, in dem nie etwas schön gewesen war, außer einem Büschel Löwenzahn, der jedes Jahr kümmerlich und zäh in der gepflasterten Ecke blühte. Qual und Scham drehten Seidels Kopf und Schultern zur Seite, so daß er plötzlich Jürgen glich,