Ein Automat sagte: „So eine vertrocknete Schachtel! Du bist ja vollkommen ahnungslos . . . Das ist übrigens die volle Wahrheit.“
Und die Tante schnellte entsetzt herum. Auch Jürgens Mund blieb in übergroßem Schrecken geöffnet. „Was hast du gesagt? Wiederhole, was du eben gesagt hast.“
„Das habe doch ich nicht gesagt.“ Sein Tonfall der Überzeugung riß der Tante die Empörung ins Gesicht. „Du leugnest, was ich mit meinen Ohren gehört habe?“
Jürgen, überzeugt diese Worte nicht gesprochen zu haben, bekam irrblickende Augen.
„Das werde ich morgen dem Herrn Rektor schriftlich mitteilen. Du übergibst ihm den Brief. Und jetzt . . . Pfui!“
Erst nachdem die Tante schon draußen war, fühlte Jürgen ein paar Tropfen auf seinem Gesichte kalt werden, und wußte, daß sie ihn angespuckt hatte.
Hitze und Kälte wechselten einige Male schnell in seinem Körper. Er trat ans Fenster, sah ins Gärtchen hinaus. Die farbigen Glaskugeln steckten still und öde auf den grünen Stangen. Aus dem Nachbarsgarten klangen Sonntagnachmittagsgeräusche herüber. Abgerissene Worte. Jemand spielte Ziehharmonika.
Ein wilder Schrei saß Jürgen im Halse. Er hob die linke Schulter, die rechte, rhythmisch die Beine. Die Bewegungen wurden zu einem gedrückten Tanz.
Am andern Morgen schlich er, eine Stunde früher als gewöhnlich, ohne Brief, geduckt aus dem Hause, begann plötzlich zu laufen, rannte, galoppierte weit aus der Stadt hinaus, quer über Schollenäcker, Hügel an und ab, bis vor das schwarze Tunnelloch im Berg und glotzte blöd hinein, kehrte um und kam, verschwitzt und keuchend, noch rechtzeitig im Schulzimmer an, wo der Professor eben mit dem steilgestellten Bleistift auf den Katheder klopfte.
Die Blicke der sechzig Augenpaare trafen beim Bleistift zusammen, der in dieser Stellung immer etwas Außergewöhnliches bedeutete. Der Professor zog die Stille hinaus. Jeder lauerte: ‚Wen trifft es?‘