Darauf entließ er uns, blieb einsam im Saale stehen; dann sah er uns nach, wie wir uns einschifften in die mit blühenden Fichtenzweigen bekränzten Nachen, und rasch hinglitten über den See.
So bleiben die Eltern stehen und haben das Nachsehen; wie ihre Eltern stehen geblieben und ihnen nachgesehen. Aber der Blick in die Fernen der Welt ist schön und süß, und groß und weit, und wonnebedrängend vor Zuversicht: Was die Entwandelten, immer verjüngt, in den heiteren heiligen Räumen alles genießen sollen! Denn sie wissen es: was! Dann gehen die Eltern fort; betäubt, als wenn sie bei einer unlöschbaren weltgroßen Feuersbrunst, bis zum Umsinken ermüdet, Wassereimer mit zugelangt hätten, in einer langen, dunkeln, tosenden Menschenreihe.
Daher konnte ich mir denken, wie zauberisch süß der treue Vater in die liebliche Welt der Wunder versetzt war, als zu Ende des Hochzeitschmauses die Spielsachen und Verlassenschaften aus der Kindheit der Kinder, gleichsam als göttliches Dessert, am Tische in Fülle auf silbernen Schüsseln herumgereicht und von jedem bewundert wurden! Selber der menschliche Gottvater, der im Märchenbuche den Armen und den Reichen besucht, hätte sich herzlich gefreut, ja selber den heiligen Storch heilig gefunden, der im Schnabel die sieben Kindlein trug! Hier aber erschienen achtzehn Störche! und vor jeder Braut blieb Einer stehen und sah Ihn an; und sie an! aber Keine sah ihn wieder an; denn er war ihr der Geist der Natur und der wahren Liebe, der die Frucht der Welt trug. O heiliges Erröthen!
Wir verbitterten dem Vater die Freude nicht. Denn ob er gleich fragte, wo denn unser lieber redlicher Pastor bleibe? warum er nicht komme? so verschwiegen wir ihm doch, daß er kurz vor der Trauung und schon in seinen Ornate, abgeholt worden war, und daß der ambulante Engel die allgemeine Trauung nach seinem Ausdruck: „so gut wie Einer oder Keiner“ vollzogen hatte. Dafür saß er seligstumm am Tische.
Zu Nacht hatte sich der Vater still zur Ruhe begeben; und ich muß es sagen, es hatte etwas geistermäßiges, ja es war geradezu wahrhaft-geistermäßig und gerecht, als die Töchter alle leise auf den gewölbten Corridor vor seine Thür schlichen, sich reiheten, und seelenbewegend ihm zum Dank mit ihren reinen, schönen, jungfräulichen Stimmen den tiefsinnigen Gesang anstimmten, der da ergreifender klang, wie ein bloßes Benedictus, „qui venit in nomine,“ der blos im Namen kam. Denn sie sangen:
Gesegnet sei der kam,
Und Uns der Vater war!
Der auf den Schooß uns nahm,
Und schmückte zum Altar;