Erstens, verschreibe ich Euch das allervortrefflichste Mittel gegen das Heimweh. Es wächset im Walde und heißt — der Galgen, der Euch in der Heimath erwartet, wenn Ihr vor der Euch bestimmten Zeit zurück — flieht. Ihr könnt auch hier in die Berge fliehn zu den Wilden, wenn Ihr, die Ihr so lange gegessen habt, auch einmal wissen wollt, wie dem ist, der gegessen wird. Also bleibt in der Lehre und Zucht! entlauft nicht von der Bleiche, als halbe Mohren, als Seelen-Mulatten! —

Zweitens, erinn’re ich Euch und frage: haben Euch Euere Todfeinde je so viel Herzeleid und Schmach angethan, als Euere Laster? diese falschen Freunde und süßen Schmeichler des Bösen, die für Eine angstvolle Lust nicht unter Ein Hundert Schmerzen bereiten. Sie setzten Euch gefangen, sie brachten Euch Verwünschung und Verachtung, Enterbung und Verweisung; Sie machten, daß Ihr zum Weinen jämmerlich hier vor mit dasteht! Erkennt sie nun, und jagt sie aus Herzen und Haus! —

Drittens, vergleiche ich Euch mit jener Palme in Japan, die keine Nässe verträgt, sondern davon verdorrt. Nichts Anderes hilft sie herzustellen, als sie auszureißen, sie dürren zu lassen, und dann in eine im Sande bereitete Grube zu setzen. Da, im Trockenen grünen ihre Zweige wieder saftig, und kräftig trägt sie auf’s neue die süße Frucht. Wieder vergleiche ich Euch mit dem Trauerbaum in Indien, der nur blüht, wenn die Sonne untergegangen, und vor dem Tage die Blüthen abwirft. Ich vergleiche Euch mit den Giftpflanzen, die meistens in sumpfigen Gegenden wachsen. Wenn man sie in reinen guten Boden versetzt und anbaut, verlieren sie ihr Gift. Der weise König Salomo sagt: sie schlafen nicht, sie haben denn Böses gethan; sie ruhen nicht, sie haben denn Schaden gethan — so sage ich Euch denn, die Ihr Beides: Uebels und Schaden gethan: so schlaft denn! so ruht denn! —

Viertens, dinge ich Euch, Ihr Tyburn entfloh’nes Gesindel, gewesene Räuber! gewesene Mörder! Für Euch ist kein froheres, kein trostreicheres Wort, als das sonst so furchtbare, die ganze Natur zerstörende Wort: gewesen! Nach Allem was der Mensch gethan, gelitten, geliebt und gehaßt hat, bleibt er ein Mensch! Und was könnt Ihr mehr sein wollen, als: Menschen? Aber wollt auch Menschen sein! Nicht was Ihr bis hieher gewesen: Füchse, Luchse, Marder, Maulwürfe, Schlangen und Ottern. Streift alle die Häute ab, und verwandelt Euch in Menschen! Bildet Euch etwa nicht ein, daß es lebenslängliche Mörder, Ehebrecher und Diebe giebt, wie es Thiere giebt, die zeitlebens Hyänen, Böcke und Raben bleiben bis auf den letzten Pelz und die letzte Mauser. Bilder Euch also nicht ein, daß Ihr bleiben müßt, was Ihr vielleicht nur Eine Stunde waret! Denn welcher Mensch weiß am Morgen, was ihm des Tages über begegnen wird? Was er denken, empfinden, beschließen, welcher Mensch, welche Lust ihn reizen, welche Leidenschaft seine Seele empören wird! Ach, — ich hoffe, ich wünsche es — Alle haben die Nacht zuvor in Frieden geschlafen, ihr Morgengebet verrichtet und auch die Worte gesprochen: Führe uns nicht in Versuchung! Aber die Leidenschaft ist wie der Wind, von dem Niemand weiß, woher er kommt und wohin er fährt, und Jeder hört doch sein Brausen. Doch sein Vorüberziehn richtet oft Grauses an, wirft um, was nicht mehr aufgebaut wird, wie ein Todter nicht wieder erweckt wird. Und so ist auch der böse Mensch kein Fehler — er fehlt nur! ein Mensch fehlt! ein Mensch hat gefehlt. Die Menschen sind Raqueten, die gefüllt und trocken ruhig an dem Gerüst des Lebens hängen, bis ein Funke sie entzündet. Die Menschen sind Kanonen, die nur donnern und morden, wenn sie losgebrannt werden; sonst stehen alle umher und schlafen wie die Menschen — ach, und wer es sich nicht eingebildet, von wem man es nie gedacht hat, den führt man am Abend in Ketten herein, als leichten oder groben Verbrecher. — Ihr seid losgebrannt — entladen! Ihr seid hereingeführt. Wer wird nicht aufgeweckt aus seinem schläfrigen Lebensgange, wenn er einen Fehltritt that? etwa einen tiefen — von der Höhe der Menschheit plötzlich herab? Wem schlägt das Herz nicht, der geraubt und gemordet hat, wenn er auch nie mehr von dem schlafenden Engel in uns, von dem Gewissen gewußt hätte als seinen Namen! Wem droht dann nicht sichtbar ein Finger vom Himmel? Wer hört den Vater nicht, wenn er sich an dem Kinde vergriff? Wer erkennet den Gott nicht, wenn er des Teufels war? Glaubt mir, meine Brüder in Christo, immer noch von der Gesellschaft Jesu, Spitzbuben, Räuber und Mörder, Ihr habt hinfort mehr Anspruch und Hoffnung auf ein ruhiges, ja seliges Leben, als alle die Millionen Schlafwandler, die noch gut heißen, weil sie schlafen. Ja, sie sind darum vielleicht werther und bedürftiger als Ihr, meine Predigt zu hören. Denn ich verbürge nicht hier mit meiner Sanduhr, daß in 8 Tagen auf der ganzen Erde nicht Hundert — eingeführt sind, die heut, jetzt noch sehr liebe Männer scheinen, und vielleicht sind. Ihr stahlet — dieweil Ihr schliefet! Ihr habt aber das ewige heilige Gesetz, Ihr habt den Gott in Euch erfahren, Ihr fühlt ihn noch und immer, der da heißt: Licht, Rath, Kraft, ewig Vater, Friedefürst! Das Herz des Menschen ist voll Irrthümer. Der Tag, wo Ihr keinen einseht, ist ein verlorner. Denn wenn Christus selber sagte: „was nennst Du mich gut? Gott allein ist gut,“ so kann unser Bestreben nur sein: besser zu werden, aber immer besser, ohne Ende, ohne Ermüdung, ohne müßige Zufriedenheit mit uns selbst; und in diese verfielen wir, wenn wir leidige Menschen je glaubten gut zu sein. Und wie sehr, wie rasch könnt Ihr Euch bessern! und wie viel Irrthümer habt Ihr abzulegen! Ich wünsche Euch Glück dazu! Der Wille besser zu werden, der ja ein guter Wille ist, wenn nicht mehr, vertilgt durch sich selbst alle Sünde, und Eine gute That aus vollester Seele ist allen guten Werken gleich. Denn das Gute umher in aller Welt schafft Gott. So ding’ ich Euch denn und geht Ihr spät zur Arbeit in den Weinberg — Ihr sollt auch noch eueren Groschen bekommen.

Fünftens, tröste ich Euch: Was Ihr auch gethan habt — Gott hat es ausgeglichen! Wenn den Menschen die Leidenschaft — der Teufel — ergreift, dann ergreift ihn ihrerseits der Gottheit Hand, damit er Andere und sich nicht ganz verderbe, im Gegentheil ihnen nütze. Der Mensch ist und wird so lange unmündig, als er seiner Vernunft nicht mächtig ist; und der Ober-Vormund Aller wird, bis sie wieder hell ihn erleuchtet, auch der seine. Die durch Euch Verarmten hat er wieder reich gemacht, wenn sie nicht besser arm blieben! Denen Ihr die Tochter oder den Sohn geraubt, die hat er wieder mit Kindern gesegnet, wenn Ihr jene nicht raubtet zu ihrer Strafe, um Eltern und Kindern so auf besonderem Wege das ihnen von Gott zugedachte Gute zu thun. Die Ihr getödtet, sie schlummern ruhig in seiner Erde, und ihre Geister leben in seinem Geist. Und doch hat Er Euch dadurch aufgeweckt. Eine Seele auferwecken ist ein größeres Wunder, als einen todten Leib erwecken — sagt Augustinus recht sonderbar nun hier, nun heute durch mich und aus mir. Gebt in den Sarg der vergangenen Tage alle eure Werke mit! Seien sie todt und begraben. Ihr aber erwacht! erwacht! erwacht! und wandelt in einem neuen Leben!

Sechstens, frage ich Euch, arme Sünder, wo ist ein Mann dem Gesetze verfallen, der eine Million Pfunde oder Menschen commandirt? Wann ist eine Prinzessin an den Pranger gestellt worden? Wo ist ein Königssohn gehangen worden? — außer in China. Ihr seht also, welche durchgängig tadellosen, welche vortrefflichen Leute die reichen Leute sind! wie leicht ihnen der Anstand wird; wie keck der Arme ist, weil er Nichts hat. Vor dem Gesetze sind Alle gleich, das ist die große Lüge in den Welt-Menschen, die die Welt-Menschen schon allein verdirbt. Geben die Georgen, unsere Könige, einem zudringlichen Bettler eine Maulschelle, das ist nur Rang- und Machtvollkommenheit; aber giebt ein beleidigter armer Schuster dem Bischof Eine dergleichen — welcher Gottesschänder! Aber ich sage Euch: Der Mächtige und Wohlerzogene, der Unrecht thut, ist doppelte Streiche werth; werth, doch bei dem Werthe verbleibt es. Der gemeine Mann, der arme Mann sollte, um pari zu wiegen, wenigstens tausendmal besser sein als der Reiche. Denn Netto und Sporco-Gewicht ist erstaunend verschieden. O Brutto! O Tara! Ihr Netto-gewogenen, Ihr seid darum alle wahrscheinlich arm, und dumm, weil Ihr bös, und bös weil Ihr dumm war’t: Drei Fehler, wovon schon Einer den Menschen in der Gesellschaft zu Grunde richtet, aber alle Drei ihn gewiß aus Altengland nach Vandiemensland bringen. Darum werdet reich! Ich sage reich: an Verstand, klug im Sinn, gut von Gemüth — um keines Gesetzes, also auch keines Richters mehr zu bedürfen, als dessen — der im Verborgenen richtet; und Ihr — werdet die Wahrheit erkennen; und die Wahrheit wird Euch frei machen. Also sonst Nichts, aber sie gewiß!

Siebentens, fordere ich nicht von Euch, daß Ihr Einen Fehler ablegen sollt. Denn die ganze Welt konnte es bis heute noch nicht. Und welche Veränderungen auf der Erde würd’ es hervorbringen, wenn alle Menschen nur Einen Fehler ganz ablegen wollten! zum Beispiel: nur den groben Mord, das Tödten! — Aus wäre Krieg und Streit, das Himmelreich begönne auf Erden, als da, wo es eben bloß nöthig ist, und nicht im Himmel. Was halfen bis jetzt alle spätere Propheten seit Moses, was selbst allein und für sich ohne Thäter des Wortes, die göttlichste Lehre. — Das Menschengeschlecht steht noch, Auge um Auge, Zahn um Zahn fordernd, am Berge Sinai, es ist in der Hauptsache: in der Menschen-Liebe kaum einen Schritt aus seiner alten Wüste geschritten, trotz der unendlichen Mühe von hundert Orden (etwa von Malta) und tausend Klöstern, trotz redlicher Päpste und löblicher Clerisey, trotz Wiklef, Knox und Warden bis heute auf mich herab, der ich im Kehrwinkel der Welt hier stehe vor Mördern predigend! Untersteht Euch zu leugnen, was ich sage! Seid nur ruhig! Denn darum verlange ich nicht, daß auch Ihr Einen Fehler ganz ableget — sie werden alle zugleich nur seltener, nur schwächer — legt Alle nur erst ein wenig ab — ich meine: bezwingt sie, dämpft sie, leitet sie ab! Laßt den Mord — eine Ohrfeige werden — dann die Ohrfeige wieder ein sanftes Streicheln der Wange; den Ehebruch: ein Anlächeln, dann das Anlächeln ein Auslachen; den Raub: ein bloßes Handausstrecken, dann das Handausstrecken — ein Handeinstecken; den Verrath ein Lallen mit der Zunge, dann das Lallen: ein Schweigen. (Und das Alles als das halbe Werk, bis die Zunge Gutes spricht, die Hand giebt, der Fuß zur Rettung eilt.) So wie Oben gesagt, so thut die Welt, so thun die Bessern selbst und heißen die Guten, bis sie besser werden. Denn ohne Sünde ist Keiner! und auch nicht Einer!

Achtens, warne ich Euch: seid nicht so anmaßend zu glauben: Ihr leidet um Eurer eigenen Fehler willen! Dazu seid Ihr die Leute nicht! Ihre eigenen Fehler büßen nur die größten Männer aller Zeiten, und genießen ihres eigenen Guten. Das Menschengeschlecht ist so verwickelt, so in einander verwachsen, aus tausend Absätzen zu einem einzigen Rohre hinaufgeschosset, daß Eines für des Andern Verschulden leidet, das lebende Geschlecht für das vergangene, ja die vergangenen alle; die Kinder leiden für die Mängel und Versehen der Eltern, das Volk um — das Land, der König für das Volk. Ihr seid die verkörperten schlechten Seelen Euerer Eltern, die Spiel- und Weinsucht des Vaters, der Putz und die fette Küche der Mutter; Ihr seid die Dummheit Euerer Lehrer, die ferne und kalte Schule; Ihr seid die Saumseligkeit, die Hartherzigkeit, die Lieblosigkeit Euerer Nebenmenschen. Ihr seid der Beweis noch vielfach-irrenden mangelhaften Geschlechtes, die Opfer eiserner und doch nicht bindender Gesetze. Ihr seid der Fensterladen eines Zahnarztes in England, den er mit allerhand bösen Zähnen geschmückt, zum Beweise: was für ein braver Ausreißer er sei, was er für Schmerzen gestillt und erregt. Ihr könntet euch freuen und stolz sein, wenn Ihr die Opfer für das Glück eueres Volkes wär’t, wenn um so viel schlechter Ihr seid, alle jene Zurückgebliebenen nun besser wären, so wie der Wein, der seine Hefen ausgestoßen. Aber — aber! ich höre von Schiffen die noch kommen sollen! Ich hörte Viele sich glücklich preisen, die — meine Rede hörten! Und wieder auch, daß sie kommen, ist der schönste Beweis für das freieste Land! den besten König! Darum segnet Ihn, und segnet Altengland, denn —

Neuntens, lehre ich Euch: Es hat Jemand ein Wort gesagt, das dem Jemand Ehre und Schande macht, so einfach und albern, so schlecht und gerecht, so erhaben ist es; der Jemand, der mit dem ersten Buchstaben — Robespierre heißt, sagte, als das seinem — Menschenköpfe liebenden Gemüth mit Himmelsgewalt abgepreßte Wort: „Das erste Recht des Menschen ist das Recht zu existiren.“ Und nur der Gegenhändler der Schöpfung, Satan, kann das bestreiten — wollen. Da aber der, welcher nun gütigst existiren darf, ein von Gott mit Geist begabtes, nie ruhendes rastlos vor und fortschreitendes Wesen ist, so ist ihm Glück, Bildung, Tugend und Himmelreich mit der bloßen Existenz zugleich gütigst zugestanden. Mit Glück, Bildung, Tugend und Himmelreich — das bekanntlich und lautausgesprochenermaßen nur in uns liegt, also in uns lebenden Menschen, also nicht künftig erst wo da draußen in der Luft voll Goldstaub, der Sterne heißt — mit Glück, Bildung, Tugend und Himmelreich, ist dem Menschen, also allen Menschen, allem Volke auf dem Lande, in den Städten und Pallästen, summarisch: allem Pallast-, Stadt und Landvolke, der Weg und jedes Mittel zu Glück, Bildung, Tugend und Himmelreich zugestanden! Und da schon das bloße Himmelreich aus Friede, Freiheit und Gerechtigkeit besteht, so ist Allen alle Weisheit, alle Lehre, alle Kenntniß zugestanden — nicht bloß schändlicher Weise: dreißig Tropfen davon auf Zucker, mit dem alten Worte: Gott wird helfen! Und zu aller Weisheit und aller Lehre gehören allem Volke mit dem bloßen göttlichen Rechte der bloßen Existenz: alle Lehrer frei, alle Rede frei, alles Lernen frei, alle Schrift frei, in dem Hause Gottes, wie ja in jedem Hause der Menschen. Nun hört mich: Wer nun Einen oder Mehrere — Menschen — an der Existenz gefährdet, verliert der den Anspruch auf Bildung, oder bekommt er Einen mehr? Hat er sich derselben als unbedürftig und unfähig gezeigt, oder hat er die unerläßliche Nothwendigkeit: ihrer theilhaft gemacht zu werden, grade durch seine schlechte That laut schreiend und unzweifelhaft an den Tag gelegt? Von der Masse des Volks, die so fort faselt, faselt man: sie sei auf dem Wege zum Guten, oder zum Bessern. Er, hat seine Unbildung, sein Herz, seinen Sinn verrathen! Seine Tyrannei! Er, er sei wer er sei — — Er muß also gebildet werden, fähig das Leben zu leben, und Andern zu helfen, diesen Schatz zu heben. Dazu nun darf der Mensch der menschlichen Gesellschaft, die ihn allein nur bilden kann, nie beraubt werden, am wenigsten aber — seines Kopfes, als welchen er eben am nöthigsten braucht. Christus hat zwar den Teufeln erlaubt: Säue in’s Meer zu stürzen, aber den Menschen nicht: Menschen vielleicht in die Hölle (und — „Viel besser ist nun ein Mensch denn ein Schaf;“ Matth. XII 12.), denn es wäre ein ganz unverzeihliches „dahero retour!“ dem Himmel in Armesünder-Kleidern Kandidaten zu schicken — die der Erde zu schlecht sind, weil man glaubt: Gott müsse verzeihen, die sündigen Menschen brauchen es nicht; ja es wäre ein Mißbrauch der Unsterblichkeit, weil sie nur ewiges Leben ist, zu welcher auch dieses Leben gehört. Denn Lucä II. 35. steht ein gar bedenkliches Wort von denen: „Welche aber würdig sein werden, jene Welt zu erlangen, und die Auferstehung von den Todten!“ Demnach kann und wird es also Viele geben — die da nicht würdig sein werden. Und man kennt sie schon hier. Der Abgethane aber, wie man so bequem die so bequem gemachte Sache ausdrückt, ist verloren für seinen Zweck auf der Erde, für sich und die Menschheit. Wie der Baum fällt, bleibt er liegen. Wenn man nun des Beispiels wegen abthut, unbetrachtet: daß man Niemandem die Nase abschneiden soll, um den Andern eine Maske zu machen — und jede Verstümmelung wird, — außer das Kopfabschneiden — mit dem Tode bestraft — ist das nicht im Gegentheil grade das beste Beispiel, welches man dem Volke geben kann: daß verwiesene Verbrecher gute Menschen werden, die ihren göttlichen Zweck noch erreichen! Was bedarf ein Gefallener eher als des Aufhebens, des Tröstens, nicht des in die Erde-Tretens! Was bedarf ein Böser mehr, als guter Menschen, daß er bei ihnen bleibe, bleibe wie sie, und nicht wieder falle. Man zähmt das Thier, und lehrt den Menschen! — dann wehrt er dem Bösen selber. So wird edel und wahrhaft auch für die Sicherheit gesorgt — denn eben nicht die, welche Böses verübet, sind am meisten zu fürchten, sondern die Freiwandelnden, noch Unerkannten; und so gäbe es keine äußere gnügende Sicherheit, selbst wenn um jedes Haus eine wolkenhohe Mauer gezogen würde, und jeder Mann und selbst die Wiegenkinder schußfeste Harnische als Kleidung trügen. Aber — ein gutes Herz bewacht sich selbst, den Nächsten und ein ganzes Reich, ein guter Gott die ganze Welt. Also den Störer der Menschheit bilden, ihn seinen Zweck erkennen lehren, Gut und Böse unterscheiden, den Trieb zum Guten zur Blüthe bringen und dazu ihn der gewohnten Gesellschaft die nöthige Zeit lang entziehen, ihm mit den Mitteln, deren sein verstocktes, verworrenes, verdunkeltes und reuiges Herz fähig und bedürftig ist, ernst und stetig beistehen als Einem an dem Herzen oder dem Geiste Kranken — und der Lasterhafte ist der leidendste Kranke — ihm Arzt und Pfleger verordnen; wenn er geneset, wenn er schwach noch schwankt, einen Führer zu geben, das hielt der Königliche Stifter von Bontanybay, von Georgtown und Hobarttown für seine königliche Pflicht. Denn wenn ein furchtsamer Hase trommeln lernt, der Canarienvogel eine Kanone abfeuern und ein Floh eine Kutsche ziehn — wenn ein Mensch sich die Mühe giebt, die Geschicklichkeit das zu lehren und die dazu erforderliche Geduld hat, dann soll ein Volk sich schämen, das mit seiner Männer Weisheit es nicht dahin bringt, daß ein Mordbrenner über die Brandstätte mit Kindergebeinen weint, und weint das Haus wieder aufzubauen, und weint, „daß diese Gebeine wieder lebendig werden!“ Aber freilich ist kein Ruhm und kein Verdienst dabei, als — eine Seele zu erretten. Und bessern schwere Ketten und dumpfe Mauern, schlechte Kost und harte Schläge, Zuchtmeister und Spießgesellen und Ränkemeister? oder — die Lehre und das Beispiel, der Umgang mit festen guten Menschen mit einem Worte: das Leben? Und so lernt Ihr hier leben! Euer Leben ordnen Männer, die gleichsam die Seelenverwandlung deutlich machen, die selbst wie aus Bären in Menschen gefahren sind, und die nun weder mehr zerreißen, rauben noch tödten wollen, sondern mit der Glut der Erkentniß warnen, bewahren, lehren und bessern. Niemand ist zuverlässiger als ein gebesserter Mensch. Er hat gelernt, ja erfahren, und er wird es nie vergessen: daß das Böse bös ist, und das Gute gut, was jedes Kind begreifen sollte, und was einzusehen den Meisten doch so viel Leiden und Reue kostet. Darum ist Euer Kerker: das Wohnhaus des Gerechtwordenen, Euere Spießgesellen sind: gute Kinder und ein frommes Weib — Eure Ketten: Bande der Liebe! Euer Zucht- und Arbeitshaus: die schöne Natur, die Euch zuflüstert Worte des Vaters, und Nachts das Kreuz aus Sternen über Eueren Häuptern glänzen läßt, und Euch umfängt, trägt, segnet als ihre liebsten Kinder! Wenn Ihr das empfindet, ach, dann vergeht nicht in Reue — sie will Euch selbst mit ihrer Liebe nicht tödten, nein, erwärmen, beleben, wieder an’s Herz des Vaters ziehen.

Aber ich hab’ Euch kein Wort von Euerer Strafe gesagt? Unsere Strafe sollte bis heut noch Rache heißen, denn Strafe als Strafe ist Rache; wahre Strafe ist aus der mildesten Liebe fließende Warnung, Führung zum Rechten und Guten, wenn auch auf rauhen Wegen, durch bittere Mittel. So strafet selber die Gottheit, und der Gestrafte wird bei ihm der Gesegnete vorzugsweise. Drüben auf den Sandwich-Inseln opfern sie ihren Götzen Menschen. Wir: alten fratzenhaften Gesetzen. Sind die Worte: „Beispiel, Strafe, Sicherheit,“ etwas Anderes als Götzen, mexikanische, unchristliche Götzen! Gestehen wir nur, es ist selbst in Altengland noch ein gut Theil jüdischer Rache, aus den Zeiten der Wüste, darin erscholl: Auge um Auge! Zahn um Zahn! Keine Vergebung! Keine Menschlichkeit, keine Göttlichkeit! Und wie Mühl-Rosse konnten die Rechtsgelehrten aus ihrer Mühle: dem Rechte keinen Ausgang finden, weil barbarische Römer, Republik-Männer ohne Herz und christliche Liebe — die sie noch nicht haben konnten bis Christus erschienen, auf ihnen schädliche Verbrechen den Tod gesetzt; weil Jemand schlecht geboren: ihn zu hängen, weil er schlecht erzogen: ihn zu rädern, weil er verführt, verwöhnt, verloren: ihn zu köpfen. Da erschien fortan und auf immer die Quelle aller menschlichen Gesetze. Wen hat, oder wen hätte Christus kreuzigen lassen, wenn Er am Palmensonntage König der Juden geworden? Selbst keinen Juden! Keinen Pharisäer — er lehrte sie, denn Er war Christus und ist noch Christus, der Herr aller Herren auf Erden. Und Wer sich zu Ihm bekennt — ein Jeglicher soll gesinnt sein, wie Jesus Christus auch war! Also doch wohl vor allen andern: Papst und Jesuiten, Könige und Räthe, Gesetzgeber und Richter. Unfehlbar! unerläßlich! Furchtbar, wenn nicht unfehlbar! Unerläßlich, wenn nicht unerläßlich! Wann wird Petrus aufhören, Christum zu verleugnen? oder wer statt Petrus es thut! Wann werden Christen anfangen: Christi Gesetze zu Gesetzen zu machen, da doch das schauderhafte Parlament in Frankreich durch einen eigenen Beschluß Gott erlaubte: Gott zu sein! und dieser Gott sprach: Dieser ist mein lieber Sohn, Den sollt Ihr hören! und dieser sein Sohn sprach: Was heißet Ihr mich aber Herr! Herr! und thut nicht was Ich Euch sage? — Jetzt aber kniet Alle nieder, und betet ein inbrünstiges Vaterunser für Alle, welche — sie wußten nicht was sie thaten — Menschen hängen, köpfen, rädern, spießen, mit glühenden Zangen zwicken, mit Pferden zerreißen ließen, oder selber zerrissen, es war nun zur Ehre Gottes, oder zur Rache für Menschen. Kniet und betet! ich bete still mit Euch! — — — — Und nun hört das Göttlichste, was auch Christus gesagt hat, als das Furchtbarste in dieser Welt; hört, was Er sprach: „Wenn aber des Menschensohn kommen wird in seiner Herrlichkeit, und alle heilige Engel mit ihm; dann wird Er sitzen auf dem Stuhl seiner Herrlichkeit. Und werden vor ihm alle Völker versammelt werden — (auch Jene, welche die armen sündigen Menschen enthaupten, verbrennen und mit Pferden zerreißen ließen). Und Er wird sie von einander scheiden, gleich als ein Hirt die Schafe von den Böcken scheidet. Und Er wird die Schafe zu seiner Rechten stellen, und die Böcke zur Linken. Da wird denn der König sagen zu denen zu seiner Rechten: Kommt her, ihr Gesegneten meines Vaters, ererbet das Reich, das Euch bereitet ist von Anbeginn der Welt. Denn ich bin hungrig gewesen, und Ihr habt mich gespeiset. Ich bin durstig gewesen, und Ihr habt mich getränket. Ich bin ein Gast gewesen, und Ihr habt mich beherbergt. Ich bin nacket gewesen, und Ihr habt mich bekleidet. Ich bin krank gewesen, und Ihr habt mich besuchet. Ich bin gefangen gewesen, und Ihr seid zu mir kommen. Dann werden ihm die Gerechten (oder Gerichten) antworten, und sagen: Herr, wann haben wir Dich hungrig gesehen, und haben Dich gespeiset? Oder durstig, und haben Dich getränket? Wann haben wir Dich einen Gast gesehen und beherberget? oder nacket, und haben Dich bekleidet? Wann haben wir Dich krank oder gefangen gesehen, und sind zu Dir kommen? Und der König wird antworten und sagen zu ihnen: Wahrlich, ich sage Euch: Was Ihr gethan habt Einem unter diesen meinen geringsten Brüdern, das habt Ihr Mir gethan. — Und nun seht, auch Jene, die geköpft oder köpfen lassen, verbrennen, rädern, mit glühenden Zangen zwicken, mit Pferden zerreißen. — — Wem, ich frage, und Gott sagt es: Wem haben Sie das gethan? mir schaudert die Wahrheit zu legen! aber mit Schaudern sag’ ich die Wahrheit: sie haben es Gott gethan, denn Mir habt Ihr es gethan, spricht Christus. Ihr aber verstummt vor Entsetzen, und betet noch ein inbrünstiges Vaterunser! — — — — Und nun steht auf von Eueren Knieen! denn —